SGZ 26 HUMOR

SGZ 26 HUMOR

Humor ist, wenn man trotzdem lacht
»Warum fällt mir ausgerechnet zum Thema Humor nichts Vernünftiges ein? Nicht mal etwas Unvernünftiges.«
»Du könntest einfach ältere Beiträge verlinken, da waren doch Lustige dabei. Die Geschichte vom Schuh zum Beispiel.«
»Das kann ich doch nicht machen. Ich hab gesagt, ich schreib jeden Tag eine Geschichte, also mache ich das auch.«
»Nur Dialogzeilen wechseln ist aber keine Geschichte.«
»Ach was!«
»Außerdem liest das doch eh kein Schwein, guck dir mal die Statistik an.«
»Jetzt haltet doch mal beide den Rand!« Ich verscheuchte die Muse und den Kritiker und brütete weiter über dem Begriff.
Noch drei Minuten, nebenan Fernseher, draußen Tatütata – das wird heut nix!

Wörter: 110

SGZ 25 AUSBRUCH

SGZ 25 AUSBRUCH

Der Ausbruch der Buchstabennudeln
Schon viel zu lange warteten die Nudeln in ihrem Karton. Offensichtlich wartete Oma Hilde darauf, dass ihre Enkelkinder mal wieder zu Besuch kamen.
»Wir lassen uns das nicht mehr länger gefallen!«, rief das A. »Unser Mindesthaltbarkeitsdatum ist bald überschritten. Wir müssen endlich gegessen werden.«
»Du hast recht«, sagte das C. »Aber was willst du tun?«
»Wir müssen hier raus«, antwortete das A. »Wir brechen aus und verlassen diese Packung!«
»Oh, wie soll das gehen?«, fragte das O.
»Uh, wie sollen wir das tun?«, fragte das U.
»Ich hätte da schon eine Idee,«, rief das I. »Ich bin schlank und passe durch jede Ritze.«
»Mich könnt ihr als Hebel benutzen«, erklärte das L, »um die Ritzen größer zu machen. Wenn ihr euch flach hinlegt, seid ihr alle nicht viel breiter als das I.«
Gesagt getan und ein Buchstabe nach dem anderen purzelte in die Vorratsschublade. Sie jubelte und fielen sich gegenseitig in die Arme. »Jetzt werden wir bald in Suppe schwimmen!«
Doch Oma Hilde sammelte die Buchstabennudeln auf und schüttete sie, trocken wie sie waren, in ein Glas. Und darin blieben sie, bis die Enkelkinder zu Besuch kamen.
»Oma, was ist das denn? Buchstabennudeln? Dafür sind wir doch schon viel zu alt.« Justin kicherte.
»Früher habt ihr die gern gemocht. Mit anderen Nudeln brauche ich euch gar nicht erst kommen.«
»Waren die früher nicht viel größer?«
»Nein, du warst kleiner, mein Lieber.«
»Guck, hier ist das J!«
»Na dann lass es dir schmecken.«

Wörter: 246

SGZ 24 TEILEN

SGZ 24 TEILEN

Das Leben teilen
»Alex, eine Ehe zu führen bedeutet nicht, nur eine Wohnung miteinander zu teilen. Ich will keine WG!« Sie weinte. Ja, jetzt weinte Melanie. »Den ganzen Tag sitzt du nur vor deinem Scheiß-Computer!«
»Ach und du etwa nicht? Ich gehe schon extra nicht ins Wohnzimmer, um dich nicht bei der Arbeit zu stören.«
»Wann immer ich in dein Büro komme, glotzt du auf diesen dämlichen Bildschirm und hast Kopfhörer auf.«
»Um dich nicht zu stören, Melanie!«
»Aber was soll das denn? Mit Kopfhörern störst du doch genauso, wenn du sprichst.«
»Ach, soll ich vielleicht nicht mit meinen Schülern sprechen? Soll ich denen auch nur Arbeitsblätter mailen und die Hände in den Schoß legen, weil die Eltern alles für mich übernehmen müssen?«
»Alex, darum geht es doch nicht. In deine Arbeit will ich dir nicht reinreden. Mach, was du für richtig hältst. Mir geht es um unser Zusammenleben.«
»Und was gefällt dir nicht an unserem Zusammenleben?«
»Wir leben nicht mehr zusammen. Wir leben nebeneinanderher.«
»Ich meine: Du hockst an deinem Computer und machst deinen Scheiß, ich hocke an meinem Computer und mache meinen Scheiß. Wir machen überhaupt nichts mehr zusammen. Wir gehen nicht essen, wir gehen nicht tanzen –« Sie warf die Arme nach oben.
»Ja wie denn auch?!«
»Wir könnten auch einfach mal spazieren gehen! Das ist doch nicht verboten!«
»Bei dem Wetter?« Bei dem Schnee und Eis könnte ich mit meinen Turnschuhen leicht ausrutschen. Und ich müsste mir nur für den Gang durchs Treppenhaus eine Maske anziehen. Reine Geldverschwendung. »Geh ruhig, wenn du spazieren gehen willst.«
»Siehst du, das meine ich. Dann bleib halt hocken!«

Wörter: 268

SGZ 23 UNSICHTBAR

SGZ 23 UNSICHTBAR

Ich hatte gerade Geld aus dem Automaten gezogen und mein Portemonnaie wieder eingesteckt, da sah ich, wie es wie von unsichtbarer Hand aus meiner Tasche gezogen wurde und durch die Luft schwebte!
Ich griff danach, doch es entwischte mir. Nun nahm ich die Beine in die Hand, um es wieder einzufangen. Die Leute guckten nicht schlecht, wie ich meiner fliegenden Geldbörse hinterherjagte. Nach wenigen Metern bewegte sich ein Fahrrad, als stiege jemand auf. Mein Eigentum schwebte darüber, jetzt umso schneller und für mich unrettbar. Ich gab auf und keuchte.
»Habt ihr das gesehen?«, fragte ich die umstehende Menge. »Das war ein unsichtbarer Dieb!«
»Erklär das mal der Polizei!«, rief einer und lachte.
Genau das tat ich wenig später. Ich erntete nur mitleidige Blicke.
»Ich sehe, dass Sie ein Problem haben«, sagte der Uniformierte. »Aber dabei können wir Ihnen leider nicht helfen.«
»Warum sehen Sie sich nicht wenigstens die Überwachungsvideos der Bank an? Darauf müsste der Vorfall doch zu sehen sein!«
Der Polizist seufzte und sah mich aus müden Augen an. »Also gut.«
Ich wartete, während er sich umständlich an seinem Computer zu schaffen machte. Ein-Finger-Suchsystem, während die andere Hand auf der Maus ruhte.
»Das ist ja … Schau mal, Ansgar.«
Der Kollege stand auf, lief um die Tische herum und beugte sich über die Schulter desjenigen, der zuerst mit mir gesprochen hatte.
»Das Video wurde manipuliert!«, rief Ansgar aus. »Wie haben Sie das gemacht?« Er stierte mich mit zusammengezogenen Brauen an.
»Ich?! Ich bin hier das Opfer! Mir wurde mein Portemonnaie gestohlen! Von einem Unsichtbaren!«
»Ach, das glauben Sie doch selber nicht. Wir werden ein Verfahren gegen Sie einleiten.«
»Was?! Ich komme her und bitte Sie um Hilfe und Sie …!«
»Alles, was Sie jetzt sagen, könnte gegen Sie verwendet werden.«
»…!« Jetzt wünschte ich, ich wäre unsichtbar.

Wörter: 298

SGZ 22 SPIEGEL

SGZ 22 SPIEGEL

Es tut mir leid, ich kann das nicht. Ich habe eine Spiegelszenen-Allergie. Ohnehin bin ich kein sonderlicher Freund von Personenbeschreibungen, aber wenn die Hauptfigur rein zufällig an einem Spiegel vorbeiläuft, und die Gunst der Stunde nutzt, um sich ausgiebig von Kopf bis Fuß zu betrachten – nein danke.
Das geht anders, beiläufiger.

Aber gut, mit Spiegeln kann man ja auch was anderes machen, als reinzusehen.

Abkassiert
Tina brauchte Geld. Sie wollte sich eine neue Jeans kaufen. Und weil sie sich nicht mit billigem Kaufhausquatsch abgab, war die teuer. Dreistellig. Stehlen konnte sie sie in der kleinen Boutique nicht. Dazu war das Risiko zu groß, dabei erwischt zu werden.
Sie sah sich auf dem Schulhof um. Hier musste doch irgendetwas Brauchbares herumliegen. Keine Spritzen heute.
Im Vorraum zu den Toiletten beschaffte sie sich eine Waffe: Mit ihrem Stiefel zertrat sie den Spiegel und nahm eine der Scherben heraus.
Ohne ein besonderes Ziel vor Augen verfolgte sie eines der Mädchen. Sportlich war Tina schon immer, ganz im Gegensatz zur dicken Monica, die ein leichtes Opfer war.
Sie hielt der Dicken die Scherbe ans Gesicht. »Gib mir dein Taschengeld!«
»Ich hab keins!«
»Willst du, dass ich dir das Gesicht zerschneide?«
»Ich habe alles ausgegeben für Schokolade! Ich schwöre! Tu mir nichts!«, bettelte das Kind mit dem schokoladenverschmierten Mund.
»Du verfressenes Stück Scheiße!« Tina ließ sie los. »Wer hat Geld?«
»Der Marko! Der hat damit geprahlt, dass seine Mutter ihm Geld für eine neue Fahrkarte gegeben hat, obwohl er seine alte gar nicht verloren hat.« Monica schnaufte.
Marko also. Ihn einzuholen würde nicht so einfach werden. Und es musste heute noch sein, bevor er die Gelegenheit hatte, nach dem Unterricht so viel Geld auszugeben. Falls er nicht schon im Einkaufszentrum war.
»Wo ist Marko?«, rief Tina über den Pausenhof. Niemand antwortete. »Monica! Wo ist Marko?«
Doch Monica hob nur die Schultern und klammerte sich an die Hand des Lehrers, der die Aufsicht führte.
Tina steckte die Spiegelscherbe in ihre Jackentasche.

Marko saß im Unterricht, als wäre nichts.
In der nächsten Pause heftete sich Tina an seine Fersen.
»Was willst du eigentlich von mir?«, rief er.
Sie war aufgeflogen. »Nichts!«
»Warum rennst du dann ständig hinter mir her?«
»Das tu ich doch gar nicht!« Sie drehte ab.

Tina kannte Markos Heimweg. Nach dem Unterricht lauerte sie ihm hinter einem Mäuerchen auf und überwältigte ihn.
»Her mit deinem Geld!«
»Was für ein Geld?!«
»Monica hat gesagt, du hast Geld.«
»Spinnst du? Wir sind Hartzer!«

Wörter: 407

Mit dem Ende bin ich nicht glücklich, aber die Zeit war rum.^^

SGZ 21 KARTENSPIEL

SGZ 21 KARTENSPIEL

Heute zusätzliche Erschwernis: Mittendrin Katzen füttern. :D

Figurenstudie John Doe
Ich habe gezockt und ich habe verloren. Erst das Auto, dann das Haus, meine Frau und zuletzt meinen Job. Jetzt bin ich Berufsspieler. Beim Pokern kann man hoch gewinnen, wenn man das Spiel beherrscht. Beim nächsten Mal schaffe ich es, ganz sicher. Ich lasse mir nicht in die Karten blicken.
Ein Freund von mir, Ulf, hat es geschafft. Der ist jetzt in Rente, lässt nur noch sein Geld für sich arbeiten. Und spielt natürlich weiter, aus Leidenschaft. Der kennt sich richtig aus und hat mir gute Tipps gegeben. Ich brauche nur noch mehr Übung, dann klappt es ganz bestimmt.
Die nächste Meisterschaft findet online statt. Wir spielen um Chips, aber der Gewinner erhält ein saftiges Preisgeld.
»Du darfst dich nicht erwischen lassen«, hat Ulf zu mir gesagt. Zählen ist natürlich verboten, aber wer merkt das schon? Solange man das alles im Kopf macht, können sie dich nicht drankriegen.
Da hatte ich während der Schulzeit einen Kameraden, der hat beim Skat immer mitgezählt und ausgerechnet, was ich auf der Hand hatte. Da war ich ganz schön baff, bis er mir das erklärt hat.
Der Ulf coacht mich auch richtig. Da lasse ich auch was springen. Sobald ich wieder Kohle hab, natürlich. Erst mal muss die Kasse klingeln.
Spielsüchtig soll ich sein, hat meine Frau gesagt. Ich würde uns noch alle in den Ruin treiben. Da hat sie die Kinder genommen und ist verduftet. Mal wieder typisch für sie. An allem bin ich schuld.
»Son Quatsch«, hat Ulf gesagt, »die ist nur neidisch, weil sie sich krumm machen muss für ihren Arbeitgeber und du Geld verdienst mit dem, was dir Spaß macht, was du ohnehin tun würdest.« Und dann hat er lange was von Frutarismus oder Frugalismus oder so ähnlich gefaselt, was ich nicht verstanden habe. Irgendwas mit sparen. Aber wozu noch sparen, wenn ich bald reich bin?
Ich würde mir als erstes mal ne fette Villa kaufen. Und nen flotten Flitzer. Vielleicht auch ein Boot. Auf ne Weltreise hab ich keinen Bock und ich will ja auch nicht gleich alles wieder verprassen. In Sachwerten ist meine Kohle klug angelegt. Hat auch Ulf gesagt. Gibt ja keine Zinsen mehr. Inzwischen muss man Strafe zahlen bei der Bank, wenn man zu viel Geld hat. Und dann wundern die sich noch, dass alle hartzen.
Vielleicht geh ich in die Politik. Und dann wird sich mal richtig was ändern. Dann wendet sich das Blatt. Bei der Bildungspolitik fange ich an. Das Schulsystem ist einfach Mist. Poker gehört auf den Stundenplan, damit die Kinder auch was fürs Leben lernen.

Wörter: 426

Die ersten 20 Geschichten (ohne diese) bringen glatte 6.500 Wörter auf die Waage!