Pride began on Christopher Street
von Christian Handel (Instagram: @christian.handel) und Andreas Suchanek (Instagram: @gesuchanekt)
Historischer Roman
366 Seiten
Buch 4 von 7 aus der Piper-Reihe „Schicksalsmomente der Geschichte“
Taschenbuch 17,- Euro, ebook 4,99 Euro
Erschienen am 03.05.2024
Selbst gekauft und für empfehlenswert befunden.

Ich kannte den CSD als vermeintliche bunte Party, die auf den ersten Blick gar nicht wie eine Demonstration wirkt. Dass die Abkürzung für Christopher Street Day steht, war mir auch klar. Aber warum? Dann schnappte ich „Stonewall was a Riot“ auf und konnte mir keinen Reim drauf machen.
Ich bin nicht der Typ, der mit Geschichte großartig etwas anfangen kann, sich trockene Jahreszahlen und anderen Stoff reinziehen will. Das heißt aber nicht, dass ich nicht aus der Vergangenheit lernen will.
Ich brauche Geschichten.
Ich will mir plastisch etwas vor Augen führen können, mich in historische Figuren hineinversetzen können. Mir hilft auch schon eine fiktive Figur, die es so hätte geben können, um mitzuerleben, wie es gewesen wäre, damals dabei zu sein.
Ersteindruck
Das Buch stammt aus einem etablierten Verlag und so verwundert es nicht, dass es einen professionellen Eindruck macht.
Es ist dick genug, dass es alleine stehen kann und erwartungsgemäß liest es sich wie ein Roman und nicht wie ein Sachbuch. ;)

Lektüre
Es war für mich kognitiv anstrengend und ich brauchte mehrere Pausen, weil es nicht so fesselnd geschrieben ist wie ein Thriller. Das Erzähltempo ist langsamer und die Seiten sind dichter beschrieben, was es für mich herausfordernder macht. Das ist aber bei einem Historischen Roman so zu erwarten.
Ich hatte etwas Schwierigkeiten, nach dem fremden Ort und der fremden Zeit so viele Leute kennenzulernen und auseinanderzuhalten.
Das geht mir jedes Mal so, wenn es mehr als zwei oder drei Hauptfiguren gibt und so verwundert es mich nicht, dass ich mir bis zum Schluss nicht alle merken konnte und immer noch von weiteren Mitgliedern der queeren Wahlfamilie überrascht wurde.
Dennoch wurde es auch für meine Matschbirne nicht zu kompliziert und obwohl ich nen Kopp wie nen Sieb habe, habe ich noch einiges von der Handlung in Erinnerung. Vor allem die Szene mit der Razzia hat sich mir eingebrannt, aber auch die Szene, in der der erste Stein flog.
Auf Jake hat der queerfeindliche Vater großen Einfluss, weshalb ich mich mit Jake gut identifizieren konnte. Für Finn ist die queere WG, in der er in New York untergekommen ist, der wichtigste Bezugspunkt. Ich bin ja so gar kein WG-Typ, aber ich mochte Finn sehr.
Die Entscheidung für die WG mit den vielen verschiedenen Menschen und auch den erweiterten Freundeskreis finde ich wichtig, um die Vielfalt der queeren Szene von damals zu zeigen. Man hätte sich ja auch auf eine schlichte Romance zwischen Jake und Finn zurückziehen können, was für mich leichter verdaulich gewesen wäre, aber das ist hier zum Glück nicht der Fall. Ich wollte ja etwas über die Geschichte lernen und das ist mir gelungen.
Fazit

Das Buch hat emotionale Höhen und Tiefen und konnte mich berühren. Das ist nicht leicht zu erreichen.
Das Buch ist nicht nur im Pride Month zu empfehlen, aber gerade jetzt wird der CSD gefeiert und vielleicht möchtet ihr ja beim nächsten Wiedersehen eure Freunde mit ein bisschen mehr Hintergrundwissen beeindrucken können.
Ich halte das Buch auch für geeignet, es Menschen in die Hand zu drücken, die glauben, die queere Community hätte ja schon alles und sollte jetzt nicht mehr so einen Aufriss machen.
Doch, gerade jetzt. Wir müssen an die Geschichte erinnern.
Denn in Amerika ist das Rad der Zeit schon fast wieder zurückgedreht. Vor allem für trans* Menschen ist es gefährlich dort.
Lasst nicht zu, dass der Verlust der Rechte queerer Menschen noch schlimmer wird oder sich noch weiter ausbreitet.
Happy Pride Month allerseits!
Euer Ingo S. Anders

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