Montagsroman – Was ist das und wie kann ich mitmachen?

Montagsroman – Was ist das und wie kann ich mitmachen?

Ein »Montagsroman« ist für meine Begriffe kein Roman im engeren Sinne, sondern eine Fortsetzungsgeschichte. Natürlich kann sie eines Tages mal ein ausgewachsener Roman werden!
Der Begriff ist vor Jahren mal in einem Forum entstanden, in dem ich mit anderen zusammen eine Geschichte geschrieben habe. Es gab keinerlei Absprache über den Fortgang, jede:r schrieb einfach aus Spaß an der Freud’ und nach eigenem Gutdünken. Ich habe dabei eine Menge gelernt, weil ich konstruktive Kritik zu meinen Abschnitten bekam.

Die ursprüngliche Idee möchte ich aufgreifen, aber etwas abwandeln.
Ich schreibe einen Abschnitt und veröffentliche diesen jeweils montags. Im Laufe des Tages sammle ich hier und bei Instagram Anregungen, wie die Geschichte weitergehen soll:
• Wörter, die verwendet werden sollen
• ganze Passagen, die verwendet werden sollen
• Namen für Figuren
• Charakterzüge
• was als nächstes passiert
• was jemand sagt
• welche Konflikte auftauchen sollen
• was für ein Wetter ist
• wo die nächste Szene spielt
• …

Jeweils aus den ersten drei Kommentaren würfle ich einen aus und berücksichtige diesen bei der nächsten Fortsetzung der Geschichte. Ich behalte mir jedoch vor, einzelne Anregungen abzulehnen (Jugendschutz etc.) und auf die jeweils nächste zurückzugreifen.
Mal sehen, ob die Aktion einen Monat überdauert. :D

Montagsroman -1-

Montagsroman -1-

»Ich hasse Montage! Kann man die Woche nicht einfach erst am Dienstag beginnen? Oder am besten gleich freitags! Die Wochenenden sind ja wenigstens noch halbwegs erträglich. Wenn da nicht die Gören wären. Nee, nee, nee.«
»Erwin! Nu halt doch mal den Rand!« Kalle wischte sich den Schweiß von der Stirn und richtete sich ächzend auf.
Suse schüttelte den Kopf. »Immer miese Stimmung verbreiten hier. Es is gleich Pause, danach kannste weiternölen.« Sie griff nach ihrer Handtasche und warf sie sich über die Schulter. Keine Sekunde zu früh, denn im selben Augenblick übertönte eine schrille Glocke den Lärm der Maschinen in der staubigen Halle.

Warum diese Scham?

Warum diese Scham?

Seit einigen Jahren trage ich mich mit dem Gedanken, einige meiner kurzen Geschichten in einer Sammlung herauszugeben, also als eigene Anthologie.

2018 hatte ich alles zusammengestellt und testlesen lassen. Ich bekam die Rückmeldung, man habe gelacht und geweint. Ein schöneres Feedback kann ich mir als Autor doch gar nicht wünschen. Es sind also nicht die Texte an sich, für die ich mich schäme. Die Geschichten sind von guter Qualität. Auch das ist es nicht.

Es handelt sich nicht nur um fiktive Texte, es sind auch autobiografische Erzählungen darunter. Es fühlte sich einfach nicht richtig an, so Persönliches zu veröffentlichen. Außerdem: Wer nimmt schon eine Anthologie? Bevor ich da Klinkenputzen gehe, veröffentliche ich doch lieber im Selfpublishing. Doch ich wollte meine Geschichten zu diesem Zeitpunkt nicht mit der ganzen Welt teilen. Also verschwand das Manuskript wieder in der Schublade.

Letztes Jahr hatte ich den Wunsch, einer Handvoll Leute ein Druckbuch mitbringen zu können. Also fragte ich dezent bei einem Verleger an, den ich kenne. Nein, ich erhielt keine Antwort. ;) Ein weiteres Jahr verstrich.

Jetzt habe ich mitverfolgt, wie eine Kollegin durchgestartet ist, und da merkte ich: Ich will auch.
Ich kontaktierte also eine Lektorin, die ich schon eine Weile kenne und auch mag, und trotzdem: Bereits bei der ersten Geschichte, die ins Probelektorat ging, schämte ich mich, als ich sie abschickte. Einfach nur wegen des Themas, denn es ist eine fiktive Geschichte. Wegen trans*.
Das sollte nicht sein, denn das ist kein Grund, sich zu schämen. Vom Kopf her weiß ich das. Es fühlt sich aber nicht danach an, als ob ich out and proud wäre – von loud ganz zu schweigen. ;)

In dieser Sammlung werden mehrere Themen behandelt; es geht neben trans* um Psychiatrieerfahrungen, aber auch noch um andere, die sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lassen. Und wieder war diese Scham da, wegen dem, was ich erlebte und dabei empfand.
Ich habe auch Angst davor, wie Leser:innen auf mich zugehen könnten, wenn sie das über mich wissen und sonst eben nichts, weil sie mich nicht kennen, aber zu kennen meinen …
So habe ich mehrere Tage mit mir gerungen und mich letztlich dazu entschieden, das Gesamtmanuskript ins Lektorat gegeben. Es wird also in absehbarer Zeit ein Buch von mir geben. Arbeitstitel: Harter Tobak.

#shortstorydienstag – KW 22 „Am See“

#shortstorydienstag – KW 22 „Am See“

Dennis saß auf seinem Handtuch und sah seiner besten Freundin Rasheeda nach.
Sie stand in ihrem babyblauen Badeanzug schon am Ufer des nach Algen riechenden Sees und drehte sich noch einmal zu ihm um. »Willst du wirklich nicht mit ins Wasser kommen?«
Er schüttelte den Kopf. Noch war er nicht so weit. Heute saß er oben ohne da, das war für ihn schon etwas Neues. Also wirklich oben ohne. Kein T-Shirt, kein BH, kein Binder, keine Brüste. Nur große Narben zeugten davon, dass er welche mit sich rumgetragen hatte. Jetzt war der Eingriff lange genug her. Er durfte wieder Sonne an seine Haut lassen. Es war total ungewohnt, die kühle Brise an seinen Brustwarzen zu spüren.
Rasheeda versank mit ihrer dunklen Haut im grünen See und sie planschte fröhlich, sodass das Wasser in alle Richtungen spritzte. »Na, komm schon! Hier sieht uns keiner!« Eine Ente flatterte quakend auf und ließ sich in sicherer Entfernung nieder.
»Nee!«, rief er. »Viel Spaß!«
Daraufhin begann sie, ihre Bahnen zu ziehen. Dennis legte sich auf den Rücken und guckte in den Himmel.
Er war gerade eingedöst, da schreckte ihn ein furchtbarer Schrei auf. Rasheeda!
Ohne nachzudenken sprang er auf und stürzte mit einem Hechtsprung ins Wasser.
»Dennis, nein!«
»Geht es dir gut?«
»Ja, ich … es war wohl nur ein Fisch, der mein Bein gestreift hat.«
»Fuck! Meine Hose! Mein Handy!«
»Tut mir leid, dass ich so geschrien habe. Ich hab mich voll erschreckt.«
»Schon gut. Nur wie kriege ich jetzt meine Klamotten trocken?«
»Ich kann dir meinen Rock anbieten.«
»Auf gar keinen Fall!«
»Tja dann … Ausziehen, in die Sonne legen.«
»Sag mal, Rasheeda?«
»Ja?«
»Warum trägt der Fisch eine Armbanduhr?«
Wieder schrie sie wie am Spieß und machte, dass sie aus dem Wasser kam.
»Reingelegt!«, rief Dennis und lachte.
»Biest!« Jetzt lachte auch sie und ließ sich auf ihr Handtuch fallen.


Diese Szene mit meinen Protagonist:innen aus „Schwuppenplanschen“ wird so nicht in den Roman kommen. Ich würde sie am ehesten als Prequel einordnen.

Making of: Schwuppenplanschen – Schwimm dich in sein Herz!

Making of: Schwuppenplanschen – Schwimm dich in sein Herz!

Auch das ist nur der Arbeitstitel. Mit diesem Projekt geht es in die Trans*szene, passend zum Pride Month.

Worum geht es in der Geschichte?
Es ist noch kein richtiger Klappentext, zeigt aber schon, wo es hingeht:
In der Dusche des Freibades erlebt Dennis, wie alle mit Fingern auf ihn zeigen und glaubt danach nicht mehr daran, je einen Partner zu finden. Seine beste Freundin Rasheeda redet ihm gut zu und auf dem CSD fällt ihnen ein Flyer des queeren Sportvereins in die Hände, der mit »Schwuppenplanschen« wirbt.
Kann er sich überwinden, auf diesem Weg Kontakte in die schwule Szene zu knüpfen?

Warum schreibe gerade ich diese Geschichte?
Wer seit der ersten Stunde meinem Blog folgt, weiß, dass ich selbst auch Transmann bin. Ich weiß also, wovon ich schreibe, wenn ich über Transmänner schreibe. Es ist wichtig, in der Literatur für mehr Sichtbarkeit zu sorgen. Neben Autobiografien, die sicher auch interessant sind, fehlen mir Romane. Ich will Figuren schaffen, mit denen man sich identifizieren kann und Zeit verbringen möchte.

Geht es diesmal schneller?
Ich hoffe es sehr. Berauscht von meinem letztjährigen NaNoWriMo-Erfolg glaubte ich, es rein rechnerisch schaffen zu können, innerhalb von drei Monaten einen Roman zu schreiben und das bequem. Tja. Die Zeit habe ich damit verbracht, einen halbwegs brauchbaren Plot auf die Beine zu stellen, Probeleser zu suchen, Recherchequellen aufzutun und mich mit den Figuren vertraut zu machen.
Spontan habe ich für einen Wettbewerb ein Exposé für diese Geschichte geschrieben und eingereicht und versucht, mir damit Zeitdruck zu machen. Das hat leider nicht so gut geklappt und ich habe es doch sehr schleifen lassen. Meine tägliche Schreibroutine, die ich nach der SGZ-Aktion für meinen Roman gleich übernehmen wollte, war schnell dahin.
Instagram kostet auch Zeit. Wenn ich nicht schreibe, ist fehlende Zeit jedoch nicht das Problem, wenn ich ehrlich bin. Die Geschichte fühlt sich noch nicht reif an, auch wenn die Zeit reif wäre …

Exposés, Recherche, Networking, Bloggen …

Exposés, Recherche, Networking, Bloggen …

Liebe Leute, wann findet ihr Zeit zum Schreiben? Diejenigen, die noch einen Brotberuf haben und Kinder …
Ich gebe zu, ich prokrastiniere etwas. Irgendwie bin ich noch nicht ganz an den Figuren und damit an der Geschichte dran.

Um für eine meiner Figuren zu recherchieren, habe ich mich in einem Forum angemeldet und dort auch schon Antworten gefunden, aber wie das so ist: Mein Unwissen vergrößert sich mit zunehmendem Wissen. Ab und an bin ich also in diesem Forum unterwegs, zusätzlich zu den anderen, in denen ich mein Unwesen treibe.
Nebenbei läuft eigentlich immer Discord, weil ich einen eigenen Server betreibe, der zum Schreib-Forum gehört. Dort bin ich jetzt auch auf einem weiteren, auf dem einige Schreibgruppen entstehen. Darüber habe ich auch schon Recherchefragen beantwortet bekommen.

Wie euch vielleicht schon aufgefallen ist, bin ich jetzt auch neu auf Instagram und arbeite mich da noch ein. Mit den Hashtags bin ich noch ziemlich überfordert, aber das wird schon noch. Ich finde es wirklich lästig, für jeden Beitrag ein Foto machen zu müssen, denn ich bin ein lausiger Fotograf. Aber da habe ich auch schon Ideen, wie ich mir da etwas bastel.
Tja, und nachdem die SGZ-Aktion zu Ende war, hatte ich erst mal überhaupt keine Ahnung, wie ich da jetzt weitermachen will mit den Blogs und Instagram. Zuerst dachte ich, ich blogge in der Schreibkommune für Schreibanfänger Schreibtipps und hier eine Fortsetzungsgeschichte als konzertierte Aktion mit Anregungen aus Instagram. Dann fühlte ich mich plötzlich absolut unwürdig, Schreibtipps zu erteilen, weil ich gemerkt habe, wie wenig fortgeschritten ich selbst bin im Vergleich zu erfolgreichen Autor:innen. Und so etwas auszuarbeiten kostet wirklich Zeit. In Ermangelung besserer Ideen werde ich aber an dieser festhalten. Einmal im Monat zu posten sollte jedoch auch reichen, was die Schreibkommune angeht.

Weil ich auch mit dem aktuellen Roman so auf der Stelle trat, habe ich dann, um nicht gar nichts zu machen, meine Exposés überarbeitet. Das erste Feedback, das ich dazu (Der Genesungsbegleiter) erhalten habe, stimmt mich nun nicht freudig, allenfalls erneut überarbeitungswütig.
Und zwar überlege ich, das Manuskript tatsächlich zu trennen in Ratgeber und Roman, da ich das nun zum zweiten Mal gehört habe, ich solle mich entscheiden zwischen Lehrbuch und Liebesroman oder Entwicklungsroman. Beim ersten Mal waren die Grundlage lediglich der Arbeitstitel und die ersten drei Kapitel.
Die Alternative wäre, drauf zu scheißen und ganz bewusst so ins Selfpublishing zu gehen. Auch zu einer Kurzgeschichte habe ich mal Rückmeldung dahingehend bekommen, das passe so zwar in ein Sachbuch, aber nicht in einen Roman, weil zu viel erklärt wurde. Ich muss zugeben, ich bin tatsächlich so an den Text rangegangen. Ich wollte beides miteinander verbinden: Unterhaltung und Öffentlichkeitsarbeit. In beiden Fällen.

Jetzt ist wohl eine Grundsatzentscheidung fällig. Genre oder Mix, Verlag oder Selfpublishing. Oder doch in die Rundablage und die Zeit als Lehrzeit abhaken?

Making of: Der Genesungsbegleiter – Ver-rückt vor Liebe

Making of: Der Genesungsbegleiter – Ver-rückt vor Liebe

Ich habe euch schon erzählt, dass ich derzeit an zwei Romanprojekten arbeite. Den Anfang macht mein Erstling, an dem ich schon seit drei Jahren schreibe. Es geht in die Psychiatrie.

Worum geht es in der Geschichte?
Durch den Verlust ihres Vaters wird Lena depressiv. In der »Klinik am Baum« lernt Lena den bipolaren Genesungsbegleiter Mark kennen. Zwischen ihnen knistert es und sie kommen sich auf der Bank an der alten Eiche näher als sie sollten …

Warum schreibe gerade ich diese Geschichte?
Ich bin selbst EX-IN-zertifizierter Genesungsbegleiter. Das bedeutet, ich habe während meiner Ausbildung selbst zwei Praktika gemacht, ein Schnupperpraktikum und ein sogenanntes Vertiefungspraktikum.

Warum brauche ich so lange?
Es ist tatsächlich so, dass ich die erste Hälfte der Geschichte während zweieinhalb Jahren geschrieben habe. Darin enthalten war ein Dreivierteljahr, in dem ich gar nicht geschrieben habe. Ich brauchte einfach etwas Abstand von der ganzen Schreiberei. Während dieser Zeit habe ich all das neue Wissen zum Schreibhandwerk verdaut. Dann habe ich während des NaNoWriMo 2020 nur drei Wochen gebraucht, um die zweite Hälfte runterzuschreiben. Die war dann schon völlig ausgereift in meinem Kopf, wartete nur darauf, erzählt zu werden, und sprudelte nur so heraus!
Damit war dann die Rohfassung endlich fertig. Jetzt muss ich das ganze noch »richtig« überarbeiten, deshalb ruht der Text. Und weil ich auch das Überarbeiten noch erlerne, wird sicher noch einiges Wasser Elbe und Rhein herunterfließen …

Mit Abstand in die Überarbeitung
Ich freue mich schon, Mark und Lena wiederzubegegnen, wenn ich die Augen eines Lesers habe und mich freue, was ich da Tolles geschrieben habe und darüber stöhne, was ich noch alles verbessern muss. ;)

Lena und Mark unter der alten Eiche.

Das Bild hat Tobias Stein mir gezeichnet, weil ich ihn bei seinem Comicbuch unterstütze, indem ich ab und an auf seine Texte schaue. Ist das nicht toll?

Aber keine Sorge: Das wird nicht das Cover! Es macht mir nur die Figuren greifbarer und hilft mir, dranzubleiben. :)

Fazit SGZ-Aktion

Fazit SGZ-Aktion

Tschakka!
Ich bin stolz, dass ich das geschafft habe!
Mein Ziel war ursprünglich, an hundert aufeinanderfolgenden Tagen jeden Morgen eine Geschichte zu schreiben. So ganz gelungen ist mir das nicht. Es kam zu sieben Lücken, was mich sehr frustriert hat, und ich habe sogar schon im Januar das erste Mal ans Aufgeben gedacht, weil ich einmal nicht liefern konnte. Ich bin aber froh, dass ich am Ball geblieben bin! Das habe ich nur erreichen können, weil ich meinen Anspruch etwas nach unten korrigiert habe. Die Bahn strebt auch nie 100% Pünktlichkeit an, nur 95% – die wissen, dass Perfektion ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Ich habe mir also zunächst etwas Mut zur Lücke zugestanden und dann habe ich nicht weiter daran festgehalten, morgens als erstes diese Schreibübung durchzuführen. Ich glaube, das erste Mal kam mir tatsächlich ein Arztbesuch in die Quere. Und dann habe ich überdacht, ob das weiterhin Sinn macht, an dieser Reihenfolge festzuhalten. Mein Roman sollte mir doch eigentlich wichtiger sein als diese Geschichten fürs Blog und der war mir ins Hintertreffen geraten, ohne dass ich genau sagen konnte warum. Doch dazu später mehr.

Dumm gelaufen
Ich habe mir mit meinen Geschichten in dieser Dichte selbst Konkurrenz gemacht. Selbst meine Stammleser haben nicht die Zeit gefunden, alles zu lesen. Ich hätte locker eine Geschichte pro Woche veröffentlichen können oder sogar eine pro Monat, um das Blog am Laufen zu halten. Dann hätte ich für Monate oder Jahre ausgesorgt gehabt. Klar, die laufen natürlich nicht weg, aber ich verliere die Positionierung im Reader.
Künftig mache ich von der Funktion Gebrauch, Beiträge zu planen.

Insgesamt
Ich würde es wieder tun. Es hat Spaß gemacht! :D
Und ich habe in kurzer Zeit jede Menge tollen unnützen Content generiert.

SGZ 100 HINDERNIS

SGZ 100 HINDERNIS

Was für ein Lauf!
Der Läufer nimmt souverän eine Hürde nach der anderen. Sieben Patzer gehen bisher auf sein Konto, doch er liegt gut in der Zeit, sehr gut. Wird er das letzte Hindernis meistern? Das Publikum hält den Atem an, wagt noch nicht zu klatschen, um den Sportler nicht in seiner Konzentration zu stören.
Jetzt setzt er zum Sprung an, herrlich glänzen seine Muskeln in der Sonne, und ja – das war es, das war es, das war das letzte Hindernis! Es bleibt stehen ohne einen einzigen Wackler. Schon hat er die Ziellinie überquert und es gilt nur noch, auszulaufen.
Ingo S. Anders gewinnt den Lauf der hundert Geschichten! Tosender Applaus bricht los, man versteht die Durchsagen der Lautsprecher nicht mehr. Erschöpft nimmt der umjubelte Läufer Danksagungen entgegen. Gönnen wir ihm ein paar Minuten, bevor wir ihn zu einem Interview bitten.
(Werbespot.)
(Musik.)
(Werbespot.)
»Glückwunsch zum ersten Platz! Herr Anders, was hat Sie zu diesem Lauf motiviert?«
»Ich weiß nicht, ich muss eine Wette verloren haben.« (Keucht.)
»Was für eine Wette?«
»Spaß! Ich wollte einfach ausprobieren, ob ich es kann.« (Lächelt.)
»Welche Bedeutung messen Sie persönlich den Hindernissen bei, die Sie nicht genommen haben?«
»Warum fragen Sie mich nach den 7 Hindernissen, die gefallen sind, und nicht nach den 93, die stehen geblieben sind?« (Zieht die Stirn kraus.)
»Haben Sie mit dieser riesigen medialen Aufmerksamkeit gerechnet?«
»Nein, auf gar keinen Fall.« (Zwinkert.)
»Welche Pläne haben Sie als Nächstes?«
»Ausruhen. Duschen. Mich vor eine Glotze werfen.« (Grinst.)
»Herr Anders, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.«

Wörter: 255

Wörter gesamt: 27.487

%d Bloggern gefällt das: