Tschüss 2021, moin 2022!

Tschüss 2021, moin 2022!

Wie die Zeit rennt, wenn man plötzlich was zu tun hat!
Trotzdem bin ich noch nicht so recht bereit, das alte Jahr gehen zu lassen. Ich muss erst noch aufräumen, innerlich.

Wie ist das letzte Jahr gelaufen?
Habe ich meine Ziele erreicht oder mir zu viel vorgenommen?


Für das vergangene Jahr hatte ich mir vorgenommen:

  • Meinen zweiten Roman runterschreiben.
  • Meinen ersten Roman überarbeiten.
  • Aktion »100 Geschichten in 100 Tagen« im Blog starten.

Die 100 Tage-Aktion habe ich nicht nur gestartet, sondern auch abgeschlossen. Das war das unwichtigste Ziel und im Nachhinein betrachtet vielleicht nicht die klügste Idee, weil ich mir nicht die Zeit genommen habe, alles vernünftig zu verschlagworten. Wie das mit den Hashtags funktioniert, habe ich erst so richtig bei Instagram gelernt. Content habe ich jetzt, aber „Oh je, was sollen die Nachbarn denken?“ ;)
Ich meine, wenn man neu auf meine Seite kommt und sieht die Früchte meiner eilends dahergetippten Schreibübungen, dann kann der Eindruck entstehen, das sei mein übliches Niveau und nun ja, das dürfte nicht gerade verkaufsfördernd sein. Was tun? Einfach löschen zerstört sämtliche Referenzen. Am besten, ich erwähne es nicht wieder, lasse gehaltvollere Artikel sprießen und das Ganze in Vergessenheit geraten.

Die Überarbeitung meines ersten Romans habe ich zwar in Angriff genommen, mich dann aber gleich wieder ablenken – na ja, ins Tal der Depression fallen – lassen. Fertig bin ich damit noch nicht, hatte aber auch erst im Oktober damit angefangen. Schade, denn das wäre mir eigentlich das Wichtigste gewesen. Es scheint mir aber auch die schwierigste Aufgabe. Für mich ist es einfacher, mir aus dem Nichts heraus etwas einfallen zu lassen, als dann Entscheidungen darüber treffen zu müssen, was wie geändert werden soll. Hierfür will ich mir mehr Zeit nehmen, am besten täglich.

Der zweite Roman ist viel zu kurz geraten, aber zum Ende bin ich gekommen. Ein Erfolg?
Auch hier habe ich das gesetzte Ziel von 55.000 Wörtern nicht erreicht, aber 22.000 Wörter ersprintet. Daraus lerne ich, dass Schnellschreiben für mich wirklich nur dann Sinn macht, wenn es darum geht, mir das Schreibrohr freizupusten. Arbeit an Romanen erfordert sehr viel mehr Planung und einen koordinierten Blick auf das Gesamtwerk; kurze Texte lassen sich einfach mal so aus dem Handgelenk schütteln und bedürfen mit Glück nur wenig Bearbeitung.
Dieses Projekt soll erst dann wieder oberste Priorität bekommen, wenn ich mit dem Erstling in eine andere Bearbeitungsphase eingetreten bin, also etwa auf Verlagssuche bin oder erneut aus Betriebsblindheit eine Pause brauche.

(c) A&K Coverdesign

Nicht geplant war die Buchveröffentlichung.
Die war unheimlich aufschlussreich und hat Riesenspaß gemacht, war aber auch zeit- und energieraubend und hat zur Folge, dass mir nun fürs Schreiben dauerhaft weniger Zeit bleibt, weil ich mich um Buchhaltung und Werbung kümmern muss. Wobei ich die Werbung ehrlich gesagt sträflich vernachlässige. Da muss ich mehr tun.

Ich brauche einen zweiten Ruhetag, an dem ich schreiben darf, aber nicht muss. Es kommt mir einfach zu oft ein Wettbewerb dazwischen, für den ich mal eben schnell was schreiben will, was dann doch mehr Zeit in Anspruch nimmt als gedacht, auch wenn es „doch nur was Kurzes“ ist.


Nun, da das erledigt ist: Herzlich willkommen!

Image by Susan Cipriano from Pixabay

Fürs neue Jahr gilt also:

  • Meinen ersten Roman überarbeiten
  • Leipziger Buchmesse
  • Forentreffen
  • Ab und zu eine Kurzgeschichte für eine Ausschreibung
  • Mehr Energie in Werbung stecken
  • Zwei Ruhetage pro Woche
  • Meinen zweiten Roman ausarbeiten

Da ich auch noch einige Zeit ins Networking stecke (Stammtische und so), muss ich mal schauen, wie ich mit allem zurechtkomme. Einen konkreten Plan, wie es hier im Blog weitergeht, habe ich noch nicht. Ich bleibe aber auf jeden Fall am Ball. Es wird weiterhin mit Büchern und mit meinem Schreiben zu tun haben. ;)

Flaschenpost

Flaschenpost

»Guck mal, wir stecken den Brief jetzt hier in die Flasche …«
»Aber warum schicken wir nicht eine E-Mail?«
»Weil wir die Adresse nicht kennen.«
»Oder eine WhatsApp.«
»Die Telefonnummer wissen wir auch nicht.«
»Aber Opa, wenn du irgendjemanden kennenlernen willst, dann melde dich doch in einem Forum an! Da kannst du deinen Brief posten und es antworten garantiert Leute.«
»Ist das nicht viel schöner, wenn die Flasche jetzt durch den Fluss irgendwohin schwimmt, vielleicht sogar bis ins Meer, und dann irgendein Mensch sie am Strand findet und dann zurückschreibt?«
»Nein, das ist Umweltverschmutzung! Und außerdem bleibt die garantiert am nächsten Wehr hängen oder an einer Fischtreppe oder so.«
»Und wenn wir eine Postkarte an einen Luftballon hängen?«
»Opa!«
»Na gut, dann gehen wir eben ins Internetcafé. Aber mein Brief kommt nicht in dieses Instagramm, da sind mir zu viele Leute.«

Bild von Antonios Ntoumas auf Pixabay

Bitte nicht immer nur lächeln!

Bitte nicht immer nur lächeln!

Beim letzten #autor_innensonntag gab es das Thema »Toxische Positivität«, welches sich darauf bezog, dass es krank machen kann, wenn man (auf Instagram) um sich herumschaut und nur lauter Autor:innen wahrnimmt, die scheinbar ausschließlich erfolgreich sind und denen den ganzen Tag die Sonne aus dem Arsch scheint. Die sind natürlich nicht alle so – jeder hat gute und schlechte Tage, alles andere wäre unnormal. Aber es ging eben um die Art der Selbstdarstellung und wie man wahrgenommen wird durch Außenstehende.

Poste ich nur: Ich hab einen Verlagsvertrag bei xy, mein neues Buch kommt dannunddann raus, hier und dort bin ich bei der Lesung und schaut her, ich hab denundden Preis gewonnen, dann stehe ich als außerordentlich erfolgreich und professionell da.
Ergänze ich dann aber auch, ich hab mich hier und da beworben, wurde xmal abgelehnt, war enttäuscht, wollte alles hinschmeißen, und dann musste ich auch noch mit der Katze zum Tierarzt und konnte wegen wasweißich wochenlang nicht schreiben, weshalb ich meine Deadline nicht halten konnte … dann sieht das ganze schon ganz anders aus. Authentischer, wie ich finde. Als wenn man eben auch nur mit Wasser kocht.
Ich bin froh, dass ich auch in Schreibforen bin und auf Discord vernetzt bin, sodass ich weiß, dass es anderen Autor:innen auch so geht, dass andere Menschen auch oft an sich oder ihren Projekten zweifeln. Dass sich ihre Texte auch nicht von selbst schreiben. Dass sie auch hart arbeiten und sich manchmal zwingen müssen, um einen Roman zu Ende zu bringen oder sich überhaupt dranzusetzen.

Vergleichen schafft Leid.
Für mich ist es gefährlich, mich mit anderen zu vergleichen. Nehmen wir als Beispiel einen Sprint: In einer halben Stunde schreibe ich vielleicht 150 Wörter, 250 wenn es gut läuft. Eine andere 600 und die nächste 800. Und das wiederholt sich.
Das hat mir klargemacht, ich werde nie zu den Leuten gehören, die mehrere Bücher pro Jahr veröffentlichen. Ich kann froh sein, wenn ich überhaupt eins schaffe.
Das ist die Quantität. Auch bei der Qualität weiß ich, dass andere mir weit überlegen sind. Andere sind mir unterlegen, denke ich. Ich werde mich also irgendwo im Mittelfeld bewegen. Auf dem Buchmarkt werde ich also ohnehin untergehen in der Masse. Dieser Gedankengang ließ mich daran zweifeln, ob es sinnvoll ist, überhaupt weiter zu schreiben. Vielleicht ist es im Mittelfeld aber auch ganz angenehm.

Nun ist die Frage, für wen blogge ich oder an wen richtet man sich denn da bei Instagram oder überhaupt mit seinem öffentlichen Auftritt? Postet man da (auch) für Autor:innen? Beim #autor_innensonntag sicherlich, auf #autorenleben auch. Natürlich möchte man sich als Autor:in hauptsächlich an Leser:innen wenden, die eines schönen Tages mal mein Buch kaufen, an dem ich so viele Tage gearbeitet habe. Aber ich nehme an, ein großer Teil der Autor:innen sind ebenfalls Leser:innen. Also sagen wir mal so, es gibt sicherlich eine Schnittmenge, ein Teil meiner Zielgruppe wird auch selbst schreiben.
Und natürlich möchte man sich austauschen mit Kolleg:innen, mit ihnen zusammenarbeiten oder einfach Spaß haben. Vielleicht ist Instagram dafür gar nicht das richtige Medium und wirklich nur für einen Kontakt zu Leser:innen geeignet. Und vielleicht interessieren die sich wirklich nur für den »offiziellen« Teil von Autor:innen. Oder einfach nur fürs Produkt Buch. Ich weiß es nicht.

Was mich in dem Zusammenhang des Austausches getroffen hat, war die Aussage (in etwa) »Ich teile mein Leid nicht mit dem ganzen Internet, sondern mit einer guten Freundin.«
Dieser Satz ist mir aufgestoßen, denn genau dieses Verhalten führt doch zu dieser toxischen Positivität. Jede:r bekommt den Eindruck er:sie sei alleine mit seinen Problemen und allen anderen fiele das Schreiben immer nur leicht, also könne man selbst ja absolut kein Talent haben … Und dieser Satz unterstellt jenen, die offen auch über ihre Probleme schreiben, sie hätten keine (guten) Freunde.
Wenn ich mich daran halten wollte, könnte ich mein Blog wohl gleich wieder dichtmachen. Ich habe es wirklich versucht, habe mir einiges verkniffen, habe mir verboten, frei von der Leber weg zu schreiben. Ich wollte mir ja einen guten Ruf für mein tolles Pseudonym aufbauen. Ich habe in der letzten Zeit schon Follower verloren. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, oder daran, dass sich auf einmal nur noch alles ums Schreiben von Geschichten dreht. Auf der anderen Seite habe ich auch neue gewonnen. :)
Da kam mir wieder in den Sinn, was eine Kollegin neulich sagte: Du willst ja nicht Follower, Du willst Leser. Es bringt keinen Umsatz, wenn mir Leute folgen und alle fleißig meine Katzenfotos liken und dann keine Bücher kaufen. Genauso bringt es natürlich nichts, wenn mir Leute folgen, die mich für Supermann halten und anbeten oder sich an meinem Selbstmitleid ergötzen und dann keine Bücher kaufen. Aber wisst ihr was? Ihr braucht keine Bücher kaufen. Denn darum geht es mir überhaupt nicht. Ich schreibe die Bücher ja, weil ich es gern tue. Ich möchte mich damit beschäftigen und ich glaube, dass es diese Geschichten auf dem Buchmarkt geben sollte – sonst könnte ich ja auch nur für mich schreiben. Aber ich werde niemandem damit hinterherlaufen. Ich will nichts tun, um damit etwas zu erreichen. Ich will nicht bloggen oder bei Insta posten, um Bücher zu verkaufen. Wenn es sich so ergibt, dann fein. Wenn nicht, dann auch gut. Ich will nur das machen, was mir Spaß macht.

Ich möchte gerne authentisch bleiben, ohne zu viel mimimi zu machen. Denn dafür habe ich natürlich auch gute Freunde, an die ich mich wenden kann. Ich will mich nur nicht verstecken müssen, egal mit was.
Und nein, ich poste keinen kuttnermäßigen Bauch. Meinen sieht man auch dann, wenn ich bekleidet bin.