KW 37: Tanzen

KW 37: Tanzen

Seinen Tanzpartner in der engen Umarmung dicht an sich zu spüren, erregte Jan. Vor allem der Umstand, dass Dennis in seinen Armen wie Wachs war und jedem seiner Impulse problemlos folgte, als tanzten sie schon seit Jahren miteinander. Auch sein Aftershave gefiel Jan. Hatte der Mann die Schifferfräse neulich schon gehabt? Bei den Schwimmern achtete er nicht auf solche Details.
Jan lauschte den Tönen, ließ sich in die Musik fallen und sie beide verschmolzen zu einem Wesen, dem vierbeinigen Tier, das sich im Takt bewegte. Schweigend wiegten sie sich im allesbestimmenden Rhythmus, dem sich selbst ihr Atem unterordnete. Nur für kurze Momente öffnete Jan die Augen, um die Wahrnehmungen seiner anderen Sinne zu ergänzen. In seinen Armen Dennis, vollkommen entspannt.
Erst als sie sich lösten, spürte Jan eine Kälte an den Stellen seines Hemdes, die feucht geworden waren vom engen Kontakt zu seinem Tanzpartner, als vermissten sie ihn bereits.


Diesmal ein Textschnipsel aus Schwuppenplanschen, einem Buchprojekt, das gerade ruht.

Flaschenpost

Flaschenpost

»Guck mal, wir stecken den Brief jetzt hier in die Flasche …«
»Aber warum schicken wir nicht eine E-Mail?«
»Weil wir die Adresse nicht kennen.«
»Oder eine WhatsApp.«
»Die Telefonnummer wissen wir auch nicht.«
»Aber Opa, wenn du irgendjemanden kennenlernen willst, dann melde dich doch in einem Forum an! Da kannst du deinen Brief posten und es antworten garantiert Leute.«
»Ist das nicht viel schöner, wenn die Flasche jetzt durch den Fluss irgendwohin schwimmt, vielleicht sogar bis ins Meer, und dann irgendein Mensch sie am Strand findet und dann zurückschreibt?«
»Nein, das ist Umweltverschmutzung! Und außerdem bleibt die garantiert am nächsten Wehr hängen oder an einer Fischtreppe oder so.«
»Und wenn wir eine Postkarte an einen Luftballon hängen?«
»Opa!«
»Na gut, dann gehen wir eben ins Internetcafé. Aber mein Brief kommt nicht in dieses Instagramm, da sind mir zu viele Leute.«

Bild von Antonios Ntoumas auf Pixabay

#shortstorydienstag – KW 22 „Am See“

#shortstorydienstag – KW 22 „Am See“

Dennis saß auf seinem Handtuch und sah seiner besten Freundin Rasheeda nach.
Sie stand in ihrem babyblauen Badeanzug schon am Ufer des nach Algen riechenden Sees und drehte sich noch einmal zu ihm um. »Willst du wirklich nicht mit ins Wasser kommen?«
Er schüttelte den Kopf. Noch war er nicht so weit. Heute saß er oben ohne da, das war für ihn schon etwas Neues. Also wirklich oben ohne. Kein T-Shirt, kein BH, kein Binder, keine Brüste. Nur große Narben zeugten davon, dass er welche mit sich rumgetragen hatte. Jetzt war der Eingriff lange genug her. Er durfte wieder Sonne an seine Haut lassen. Es war total ungewohnt, die kühle Brise an seinen Brustwarzen zu spüren.
Rasheeda versank mit ihrer dunklen Haut im grünen See und sie planschte fröhlich, sodass das Wasser in alle Richtungen spritzte. »Na, komm schon! Hier sieht uns keiner!« Eine Ente flatterte quakend auf und ließ sich in sicherer Entfernung nieder.
»Nee!«, rief er. »Viel Spaß!«
Daraufhin begann sie, ihre Bahnen zu ziehen. Dennis legte sich auf den Rücken und guckte in den Himmel.
Er war gerade eingedöst, da schreckte ihn ein furchtbarer Schrei auf. Rasheeda!
Ohne nachzudenken sprang er auf und stürzte mit einem Hechtsprung ins Wasser.
»Dennis, nein!«
»Geht es dir gut?«
»Ja, ich … es war wohl nur ein Fisch, der mein Bein gestreift hat.«
»Fuck! Meine Hose! Mein Handy!«
»Tut mir leid, dass ich so geschrien habe. Ich hab mich voll erschreckt.«
»Schon gut. Nur wie kriege ich jetzt meine Klamotten trocken?«
»Ich kann dir meinen Rock anbieten.«
»Auf gar keinen Fall!«
»Tja dann … Ausziehen, in die Sonne legen.«
»Sag mal, Rasheeda?«
»Ja?«
»Warum trägt der Fisch eine Armbanduhr?«
Wieder schrie sie wie am Spieß und machte, dass sie aus dem Wasser kam.
»Reingelegt!«, rief Dennis und lachte.
»Biest!« Jetzt lachte auch sie und ließ sich auf ihr Handtuch fallen.


Diese Szene mit meinen Protagonist:innen aus „Schwuppenplanschen“ wird so nicht in den Roman kommen. Ich würde sie am ehesten als Prequel einordnen.

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