Coming-Out #diverserdonnerstag

Coming-Out #diverserdonnerstag

»Ich bin schwul und das ist auch gut so«, sagte einst Klaus Wowereit. Zwanzig Jahre ist das her. Ist es seither leichter geworden, sich zu outen? Im allgemeinen Ja, im Einzelfall Nein.

Gibt es in deinen Geschichten Coming-Outs?

Ja und Nein. In meinem Genesungsbegleiter geht es um ein ganz anderes Thema, das Paar im Fokus ist hetero. In Schwuppenplanschen ist es für Dennis eine Hürde, die er zu nehmen hat. Nicht, weil er schwul ist, sondern weil er trans* ist. Das weiß sein Love Interest noch nicht und Dennis ist es unangenehm, sich zu offenbaren; er hat Angst vor Ablehnung.

Umgang mit Sexualitäten/Gender

Schwuppenplanschen spielt in einer Blase, in der es normal ist, trans* zu sein. Aus Sicht des Protas ist hier der Cismann das unbekannte Wesen. Ich versuche, beiden Seiten gerecht zu werden. Für den Cismann ist es natürlich normal, cis zu sein.

Worauf sollten wir beim Beschreiben eines Coming-Outs achten?

Ich finde es wichtig, beide Seiten zu zeigen. Es ist nicht nur schwer, für denjenigen, der sich offenbart. Es ist eben auch eine Offenbarung für denjenigen, der plötzlich etwas Neues über sein Gegenüber erfährt. Das kann das Vertrauen infrage stellen, das kann das ganze Weltbild ins Wanken bringen.

Klassismus #diverserdonnerstag

Klassismus #diverserdonnerstag

»Bonzenkind!«, bekam ich oft zu hören. Gleichzeitig bekam ich vonseiten meiner Eltern zu hören, wir seien nicht Krösus. Mein Vater leitete ein kleines Unternehmen mit bis zu 25 Mitarbeitern. Und die bekamen immer zuerst ihr Geld, bevor wir dran waren.

»Klassismus bezeichnet Vorurteile oder Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft oder der sozialen Position und richtet sich meist gegen Angehörige einer ›niedrigeren‹ sozialen Klasse.«

Wikipedia am 11.10.21, 14:40

Ich wuchs im reichsten Stadtteil einer Kleinstadt auf, oder zumindest dem mit der teuersten Wohnlage. Besuche bei Klassenkameraden, die nicht in freistehenden oder wenigstens Reihenhäusern lebten, sondern alle zusammen in einer Wohnung mit nur drei Zimmern, bereiteten mir einen Kulturschock – andersrum genauso.
Ich selbst machte mit HartzIV kurzzeitig Bekanntschaft, als ich dann auf 18qm meine ersten eigenen vier Wände hatte. Ich fühlte mich finanziell unabhängig und war doch vom Regen in die Traufe gekommen.

Wie gestalte ich also meine Figuren in meinen Geschichten? Sind sie finanziell bessergestellt? Sind sie sich dessen bewusst?

Nehmen wir mal meine Protagonisten Mark und Lena aus meinem ersten Roman Der Genesungsbegleiter (Arbeitstitel).
Beide leben in Haushalten, in denen Bücherregale stehen. Lenas Vater ist Journalist und liest täglich mehrere Zeitungen, da ist das naheliegend, dass sie einen wichtigen Halt im Lesen gefunden hat. Er lebt in einer Eigentumswohnung, sie in einem gemieteten Apartment.
Und Mark? Sein Vater ist Malermeister. Der liest ein Automagazin und fertig. Trotzdem gibt es ein Räumchen, das sie als Bibliothek bezeichnen, in dem mehrere (!) Bücherregale stehen. Marks Mutter ist Floristin und sammelt leidenschaftlich Zeitungsausschnitte. Schon wieder Zeitungen!
Marks Oma mütterlicherseits war Schriftstellerin.

Das bedeutet: Ja, meine beiden Turteltäubchen sind vom Elternhaus her finanziell bessergestellt.
Lena ist das überhaupt nicht klar, sie hat wenig soziale Kontakte und blickt anfangs kaum über ihren Tellerrand. Die Freunde ihres Vaters kommen ebenfalls aus gut situierten Haushalten, weshalb sie eben das für »normal« hält.
In Marks Elternhaus ist es omnipräsent, dass er (der Vater) sich (und seiner Familie) alles selbst hart erarbeitet hat. Durch seine EX-IN-Ausbildung kommt Mark mit Erwerbsminderungsrentnern in Kontakt, die von der Grundsicherung leben müssen. Die froh sind, sich bald wenigstens 450 Euro dazuverdienen zu dürfen, was für sie einen Riesenunterschied ausmacht, auch wenn es nicht für große Sprünge reicht. Das wird allerdings nicht thematisiert, es gehört zur Vorgeschichte, die man nicht erzählt, aber für die Figurenentwicklung braucht.

Wenn in dieser Geschichte jemand Vorurteile gegenüber jemandem wegen der sozialen Position oder Herkunft hat, dann Marks Vater gegenüber seinem Schwiegervater, denn der war ihm bereits gebürtig »überlegen« und hat auf ihn herabgeblickt, weil seine Tochter »unter Stand« geheiratet hat und seinen Segen nur ihr zuliebe zähneknirschend gegeben. Beide konkurrierten ständig miteinander. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jetzt überall erhältlich! Tobaksplitter – Facetten meiner Persönlichkeit

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Achtung, Trigger!

Von der Psychiatrie durch menschliche Abgründe über Transsexualität bis hin zu Kindheitserinnerungen: Durch diese Sammlung kurzer Geschichten zieht sich ein roter Faden. Je mehr man von ihnen liest, desto näher kommt man dem Wesen des Autors. Diese Texte und Fragmente, ob erfunden oder wahr, sind nicht stromlinienförmig, sie sind nicht artig, sondern eigen und auf ihre Art anders.
Splitter für Splitter zeigen sie ein Bild von Ingo S. Anders.

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KW 37: Tanzen

KW 37: Tanzen

Seinen Tanzpartner in der engen Umarmung dicht an sich zu spüren, erregte Jan. Vor allem der Umstand, dass Dennis in seinen Armen wie Wachs war und jedem seiner Impulse problemlos folgte, als tanzten sie schon seit Jahren miteinander. Auch sein Aftershave gefiel Jan. Hatte der Mann die Schifferfräse neulich schon gehabt? Bei den Schwimmern achtete er nicht auf solche Details.
Jan lauschte den Tönen, ließ sich in die Musik fallen und sie beide verschmolzen zu einem Wesen, dem vierbeinigen Tier, das sich im Takt bewegte. Schweigend wiegten sie sich im allesbestimmenden Rhythmus, dem sich selbst ihr Atem unterordnete. Nur für kurze Momente öffnete Jan die Augen, um die Wahrnehmungen seiner anderen Sinne zu ergänzen. In seinen Armen Dennis, vollkommen entspannt.
Erst als sie sich lösten, spürte Jan eine Kälte an den Stellen seines Hemdes, die feucht geworden waren vom engen Kontakt zu seinem Tanzpartner, als vermissten sie ihn bereits.


Diesmal ein Textschnipsel aus Schwuppenplanschen, einem Buchprojekt, das gerade ruht.

Tobaksplitter erscheint im Oktober!

Tobaksplitter erscheint im Oktober!

Im Buchhandel voraussichtlich erhältlich ab: 1. Oktober 2021. Noch feile ich am letzten Schliff.

Meine Lektorin hat mir so viel Nettes dazu geschrieben, ein Auszug:

Danke Dir, dass ich diese Texte lesen und bearbeiten durfte. Ich fühle mich emotional und wissenstechnisch vielfach bereichert und auf eindrückliche Weise sensibilisiert für ein Thema, das so ein Otto-Normal-Cismensch ja so ungefähr überhaupt nicht auf dem Schirm hat. Da muss man sich ja wirklich fast schämen, die Komplexität und Tiefe ist der Wahnsinn. Das betrifft nicht nur die trans* Themen, sondern auch in vielerlei Hinsicht den Rest. (Psychiatrie-Erfahrung und so).
 
Mir haben Deine Texte ausnehmend gut gefallen. Du nimmst den Leser fest an die Hand und mit auf die Reise und lässt ihn nicht los, bis die Fahrt vorbei ist. Mein Lieblingstext ist „Herbstsonate“, weil Du die Musik da so wunderschön mit einbaust, so wie ich es soooo gerne mag. „Für immer“ macht so richtig krass Gänsehaut, „Über das Danach“ dito. „Die Hand ausgerutscht“ treibt mir die Tränen in die Augen.

Das Cover ist da!

Das Cover ist da!

Meine Sammlung kurzer Geschichten, die bisher unter der hochtrabenden Bezeichnung „Anthologie“ und dem Arbeitstitel „Harter Tobak“ lief, wird nun hoffentlich bald als „Tobaksplitter – Facetten meiner Persönlichkeit“ erscheinen.

Da der Uploadbereich von BoD gerade streikt und die Downtime schon zweimal verlängert wurde, ist die Sache leider immer noch nicht in trockenen Tüchern. Ich hoffe, das zieht sich nicht noch mehr in die Länge.

Das Buch kommt seitens BoD frühestens 14 Tage nach dem Upload heraus, geplant hatte ich aber einen etwas längeren Vorlauf. Sobald das Veröffentlichungsdatum steht, gebe ich es natürlich hier bekannt.

Herrenanzug schwarz mit weißem Hemd und silbergrau karierter Krawatte. 
Autorenname: Ingo S. Anders
Titel: Tobaksplitter
Zusatzhinweis: Sammlung kurzer Geschichten
(c) A&K Buchcover

Das ist es!
Ich kann gar nicht genau sagen, warum ich mich für dieses entschieden habe. War wie so oft aus dem Bauch heraus. Wenn ich jetzt überlege: Es hat mich einfach angesprochen – ich mag Anzüge – und ich habe gedacht: Den Typ würde ich gerne kennenlernen.

Wie der Anzug für einen Mann nur seine äußere Hülle ist, ist auch das Cover nur die Außenansicht eines Buches.

Genau das sollen die Leser ja auch wollen. Sie sollen die Geschichten in diesem Buch lesen wollen. Mich darüber ein Stück näher kennenlernen wollen.

Ich hoffe nur, es heißt dann nicht nachher: Außen hui, innen pfui!