Transgender Day of Remembrance 2021

Transgender Day of Remembrance 2021

Heute gedenken wir der Menschen, die transphober Hassverbrechen zum Opfer gefallen sind. Da mir die Worte fehlen, zeige ich euch eine Auswahl der Kunst, die ich – abseits von Texten – im Zusammenhang mit dem Thema trans* geschaffen habe.

Dieses Bild entstand in einem Rahmen eines Kurses zur Trauerbewältigung nach dem Tod meines Vaters. Die Stehpinkelei war mir leider nur wenige Mal mittels Hilfmitteln vergönnt.

Im Zusammenhang mit meiner damaligen Gewichtsreduktion fragte ich mich in einer Reihe von Bildern, was für ein Körper unter meinen Pfunden wohl verborgen sein mochte. Dabei suchte ich gezielt nach den Muskeln.

Um das besser begreifen zu können, formte ich aus Resten bereits angetrockneten Tons eine Plastik.

Für Kopf und Arme reichte es nicht mehr. Mittlerweile hat auch noch der Zahn der Zeit an dem guten Stück genagt; die Beine sind schon lange abgebrochen.

Mit einer frischen Ladung Ton tastete ich mich vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen mit dem Tango auch an meine weibliche Seite heran, die sich im Wechsel von Führen und Folgen aufzulösen schien.

Auch solche Menschen gibt es. Transmänner und Transfrauen ohne genitalangleichende Operation. Sagt Hallo zu den Prototypen von Dennis und Rasheeda, die in Schwuppenplanschen ihren Auftritt haben.
Mit dieser Zeichnung kann ich für Sichtbarkeit sorgen, ohne jemandem die Hosen runterzuziehen.
Ich möchte nur hoffen, ich sehe es nicht eines Tages als Piktogramm an speziell ausgewiesenen Transgender-Toiletten wieder.

#diverserdonnerstag: Sicherheit

#diverserdonnerstag: Sicherheit

Während ich mich noch frage, wie Sicherheit ein Privileg sein kann, fällt mir der Krieg in Afghanistan ein. Als nächstes denke ich an homo- oder transphobe sowie rassistische Übergriffe. Dann wird mir klar, dass auch Geld eine ganze Menge Sicherheit schaffen kann, indem man Versicherungen abschließt und sich damit die Angst abkaufen lässt vor Feuer, Einbruch, Diebstahl Krankheit, Unfällen und was es alles gibt. Auch Alarmanlagen kann man sich einbauen lassen, Kameras installieren und sogar einen Panic Room. Hat man das Geld dafür nicht, kann man das alles nicht haben. Aber ist man dadurch weniger sicher? Sicherheit ist doch vor allem ein Gefühl. Es ist das Fehlen der Sorge vor dem möglichen Eintreten verschiedenster Ereignisse. Dass man derzeit in Afghanistan erschossen wird, ist freilich weitaus wahrscheinlicher als in Deutschland. Die Leute machen sich ja nicht ohne Grund auf den Weg.

Natürlich: Kondome schützen. Prep schützt. Kugelsichere Westen schützen ebenso wie Fahrradhelme und Anschnallgurte. Alles mit wissenschaftlich nachgewiesener Wahrscheinlichkeit.

Als Blogger fühle ich mich durch das Internet relativ geschützt. Da ist eine Barriere, ich kann einfach die Kiste zuklappen und es ist Ruhe im Karton. Bis ich einmal eine Postkarte »von einem unbekannten Witzbold« bekam. Das hat mir einen Heidenschreck eingejagt und mein Blog war zwei Jahre off. Später gab sich der Absender mir gegenüber zu erkennen. Die Erinnerung bleibt. Deshalb versuche ich, nicht zu viel private Informationen preiszugeben. Ich versuche, seriös aufzutreten. Ich versuche irgendwie mit diesem Gefühl der jetzt geminderten Sicherheit umzugehen. Dabei ist es faktisch genau dasselbe Risiko wie zuvor.
Als Autor habe ich mir vor der Veröffentlichung große Sorgen gemacht, wie man nach der Lektüre auf mich zugehen könnte. Meine Geschichten können aufwühlen und aufgebrachte Menschen verhalten sich nicht immer rational und handeln schon gar nicht überlegt.

Wenn man (Menschen oder) Figuren miteinander vergleicht, muss sich zwangsläufig eine sicherer fühlen als die andere und seien die Unterschiede noch so fein. Aber vielleicht hinsichtlich verschiedener Aspekte, sodass kein Machtgefälle entsteht.
Schwuppenplanschen: Dennis macht sich Sorgen wegen seines Outings als Transmann, Rasheeda hat zudem eine dunklere Hautfarbe und hätte also einen zusätzlichen Grund zur Sorge, sie ist aber eher taff und Dennis ohnehin ein ängstlicher Typ.
Der Genesungsbegleiter: Lena ist in einer akuten psychischen Krise, Mark ist stabil und tritt als ihr Mentor auf. Lena ist einfach verletzlicher, ihre ganze Welt ist gerade zusammengebrochen und sie hinterfragt naturgemäß vieles.
In meinem angedachten Thriller, der noch nicht fertig geplant ist, wird ein Lehrer auftauchen, der seine Schüler:innen beschützen möchte. Das wird da eine große Rolle spielen. Mehr verrate ich noch nicht.

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