SGZ 56 VERGEBUNG

SGZ 56 VERGEBUNG

Ich kann vergeben, aber nicht vergessen. Was fällt einer Schulpsychologin ein, Kinder auszuwählen und gefügig zu machen für einen Ring von – nein, ich kann es gar nicht aussprechen. Es ist einfach nur widerlich!
In der dritten Klasse war ich damals. Was hätte ich denn anderes tun sollen, allein mit ihr in einem Behandlungsraum? Als sie sich einen Arztkittel anzog und mich wie der Kinderarzt dazu anwies, mich auszuziehen und auf die Liege zu legen? Da macht man doch, was die Erwachsenen sagen! Heute hasse ich alle Weißkittel.
Sie hat mich dann mit Saugnäpfen beklebt. War mir schon nicht geheuer. EEG, EKG – so etwas darf und durfte eine Dipl.-Psychologin nicht.
Der Therapeut, den ich aufsuchte, als ich mich nach dreißig Jahren endlich dazu hatte durchringen können, war da anderer Meinung. Das heißt, so weit kamen wir gar nicht. Er fand es schon in Ordnung, dass Erwachsene fremde Kinder ausziehen – da bin ich ausgetickt. Nein, ich habe ihm nichts getan. Ich habe nur sofort dicht gemacht und seine Praxis nie wieder aufgesucht.
Ja klar, in einem anderen Kontext mag das in Ordnung gehen. In einem Kindergarten vielleicht. Aber eine Psychologin! Das ist etwas anderes als eine Psychiaterin. Eine Psychiaterin ist die, die Pillen verschreibt. Sie ist Ärztin und darf körperliche Behandlungen durchführen. Eine Psychologin darf das nicht.
Die Schulpsychologin hat – nachdem sie nach und nach mit Spielen und Gesprächen mein Vertrauen gewann – mich einem Verhör unterzogen und sich Notizen gemacht. Hat mir K.O.-Tropfen gegeben. Irgendwann wachte ich dann splitterfasernackt und mit Schmerzen zwischen den Beinen wieder auf.
Meine Mutter konnte mit meiner Symptombeschreibung nichts anfangen und ich wollte da auch keinesfalls von dem ungehobelten Kinderarzt untersucht werden. So haben wir einfach abgewartet und es wurde nach einer Zeit besser, auch das Brennen beim Wasserlassen verschwand wieder.
Ich konnte dann recht bald durchsetzen, nicht mehr zu dieser Frau hingehen zu müssen. Komischerweise dachte ich auch überhaupt nicht mehr an meine Erlebnisse in deren Praxis, bis ich eines Tages in einem Krankenhaus ein EEG machen lassen musste. Da kam alles wieder hoch und seitdem verfolgen mich meine Erinnerungen.
Ich kann wirklich vieles vergeben. Aber das? Nein, das nicht.

Wörter: 355

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