Fehler bei Lesungen, die man vermeiden sollte

Fehler bei Lesungen, die man vermeiden sollte

Aus Fehlern lernen wir, deshalb ist es nicht weiter wild, dass man Fehler macht, wenn man etwas zum ersten Mal ausprobiert. Eigentlich ist das ne super Sache!
Wie man eine Lesung vorbereitet, hatte ich schon recherchiert und die letzte Lesung war auch nicht meine erste; ich habe sogar schon vor einigen Jahren selbst eine organisiert, die ein Programmpunkt während einer Tagung war.
Ich wusste also schon ein bisschen was und lerne immer noch dazu.

Nun habe ich aus den letzten beiden Lesungen einiges gelernt:

  1. Man packt seine Bücher wasserdicht ein!
  2. siehe unten

Werbung

Verlasst euch niemals darauf, dass jemand anders für euch wirbt!

Mit der Werbung für die Veranstaltung sollte man spätestens 4 bis 6 Wochen vorher beginnen. Das ist der Zeitpunkt, zu dem Zeitungen informiert werden müssen, damit sie noch reagieren können – falls sie den Veranstaltungshinweis überhaupt aufnehmen wollen. Hierfür bieten sich Pressemitteilungen an. Wenn die nur auf der eigenen Webseite schlummern, sieht das zwar professionell aus, hat aber weniger Effekt, als wenn man sie den Medien auch zuleitet.

Wenn ihr Plakate macht, schreibt drauf, was wo warum wann wie mit wem stattfindet und was es kostet. Und lasst sie auch nach der Veranstaltung noch eine Weile hängen. Auch ein Hinweis auf eine verpasste Veranstaltung erhöht die Sichtbarkeit.

Wenn ihr Flyer macht, dann vergesst zum Himmel nicht, draufzuschreiben, wo man das Produkt kaufen kann! Aber das darf auch nicht alles sein. Der Kunde möchte wissen, wann und warum er wofür wie viel Geld an wen ausgeben soll.
Will ich mein Buch verkaufen, dann gehört der Klappentext drauf und Eckdaten wie Preis und ISBN-Nummer und wie gesagt, wo und wie man es kaufen kann. Heutzutage werden QR-Codes erwartet, die Information muss aber auch ohne Streichelfon ablesbar sein.
Will ich für eine Lesung werben, dann sollte auch draufstehen, was die Gäste erwarten dürfen: Wer liest und aus welcher Geschichte? Auch ein Veranstaltungsprogramm mit zeitlicher Abfolge kann hilfreich sein, gerade dann, wenn mehrere Autor:innen auftreten.

Plakatwerbung kann man ruhig auch im weiteren Umkreis anbringen, ggf. an von der Zielgruppe stark frequentierten Plätzen. Bei Fantasy wäre das mit Sicherheit auch ein Spielecafé, in dem Rollenspiel gespielt wird.
In Buchhandlungen fragen, in Bibliotheken bietet es sich an, Flyer auszulegen und Plakate aufzuhängen. Es gibt aber auch Büchercafés!
Vielleicht auch in Begegnungsstätten, denn diese werden ja von Menschen aufgesucht, die Begegnungen suchen. So kann man möglicherweise eine ganze Gruppe für die Lesung gewinnen.
Eigentlich müsst ihr euch nur in eure Zielgruppe hineinversetzen, in euren optimalen Leser/Buchkäufer, und überlegen, wo diese Person sich in der Freizeit viel aufhält. Da muss die Werbung hingebracht werden.

Weist während eurer Veranstaltung auf eure Produkte hin – vor und nach eurem Vortrag (bei Gruppenlesungen) bzw. zu Beginn und zu Ende der Veranstaltung.

Das richtige Werbemittel finden:
Kauft einen teuren Roll-Up-Aufsteller doch bitte nicht für eine einzige Veranstaltung, ohne ihn je wiederverwenden zu können. So eine Investition lohnt sich eher für Buchmessen und dann mit dem Pseudonym und Markenzeichen, damit man schnell gefunden wird.

Akustik

Bibliotheken sind an sich ruhige Orte und Orte, die Leser:innen bekannt sind. Das ist gut. Nicht gut ist, wenn es in dem zur Verfügung gestellten Raum hallt. Das wäre dann schön zum Singen, aber für Menschen mit Hörgerät kann das alles sehr unangenehm sein.

Man sollte vorab testen, ob man in dem Raum überhaupt ein Mikrofon braucht. Dazu bittet man jemanden, sich nach ganz hinten in die letzte Reihe zu setzen und liest in der gewohnten Vorlesestimme probehalber ein paar Zeilen.
Möchte man ohne Mikrofon lesen, dann richtet man sich am besten nach der Person im Raum, die am schlechtesten hört und fragt diese, ob alles gut verständlich ist. Dabei ist nicht ausschließlich die Lautstärke relevant, sondern es ist wichtig, die Worte deutlich auszusprechen.

Entscheidet man sich für das Mikrofon, auf keinen Fall den Soundcheck vor Ort vergessen! Wenn die Boxen zu nah am Mikrofon stehen, gibt es fiese Rückkopplungen. Manchmal gibt es auch Interaktionen mit Handysignalen …
Auch andere Technik immer vorher vor Ort ausprobieren. Vielleicht ist die Steckdose zu weit weg und man braucht ein Verlängerungskabel oder, oder.

Juhu, wir haben Publikum

Seht ins Publikum, Leute! Das ist wichtig. Die Menschen wollen euch sehen, wollen von euch wahrgenommen werden. Wer das nicht will, schließt die Augen, um sich das Gehörte besser vorstellen zu können. Es bietet euch auch sofort ein Feedback, welche Stellen eurer Geschichte bzw. des Vortrags gut funktionieren und welche nicht.

Hört eurem Publikum zu! Wenn gekichert wird, lasst sie lachen, bis es wieder still ist. Wenn sie klatschen, redet nicht einfach weiter (und geht im Applaus unter), sondern lasst Stille einkehren, bevor ihr weitermacht, euch bedankt oder aufsteht und von der Bühne verschwindet.

Heißt sie willkommen, bedankt euch!
Aber verratet nicht, wie viele Leute ihr ins Publikum gesetzt habt, die ihr »mitgebracht« habt, weil sie euch helfen, die Veranstaltung zu rocken.
Das ist wie beim Eiswagen: Gehst du zu dem, wo keiner ansteht, oder zu dem, wo die Schlange lang ist? Die meisten stellen sich in der Schlange an, weil sie nämlich denken, da gibt es das gute, leckere Eis und bei dem anderen stimmt irgendwas nicht.
Wenn jemand in den Raum reinkommt und da sitzen einige offenbar erwartungsvoll und glücklicherweise in der ersten Reihe (da kann man sich dahinter verstecken), dann sieht das so aus, als wenn da schon Publikum da ist. Dann sieht das so aus, als wenn da eine Lesung stattfindet, oder jedenfalls gleich irgendwas passiert. Publikum und Bücher auf einem Tisch, das reicht schon, um eine Lesung zu erkennen.

Und wenn gar niemand kommt? Alle die ganzen Mühen, die Vorbereitungen, das Lampenfieber, der Stress, die unzähligen Proben – werft das nicht weg! Zieht die Nummer durch. Fangt pünktlich an, allerspätestens eine Viertelstunde nach Beginn. Ich hatte schon Lesungen, da sind Leute mittendrin oder sogar am Schluss erst gekommen. Auch an diese Menschen kann man Bücher verkaufen.
Wenn jemand zur Tür reinschaut und sieht jemanden Trübsal blasen, ist das nicht einladend. Auch ein Durcheinandergeschnatter (bei Gruppenlesungen) hört sich nicht an, als wenn da eine Lesung stattfindet, sondern eher, als wenn da geschlossene Gesellschaft ist und man da irgendwie falsch ist.

Gruppenlesungen

Wenn ihr zusammen auftretet, dann gestaltet ein gemeinsames Programm. Sprecht euch ab über die Reihenfolge. Überlegt, in welcher Reihenfolge die Texte harmonieren. Moderiert die Übergänge auch so an, dass der rote Faden für das Publikum erkenntlich wird.
Bereitet ein Handout des Programms mit ca.-Uhrzeiten vor, das ihr vor der Lesung auf den Sitzen auslegt. So kann man dezent ein Pinkelpäuschen machen, wenn es gerade nicht so spannend ist und wiederkommen.

Buchpräsentation

Buchaufsteller mitnehmen. Ist ne tolle Sache. Man kann Bücher zwar an die Wand lehnen – wenn eine Wand da ist – aber schöner ist das mit den Buchaufstellern. Damit sieht das Buch gleich pfleglicher behandelt aus und es macht einen wertvolleren Eindruck, wirkt professionell und fällt eben auch leichter ins Auge, als wenn es flach auf dem Tisch liegt.

Tesafilm, Schere, Reißzwecken mitnehmen, wenn du etwas Plakatiges zum Aufhängen mithast. Und nimm nicht nochmal die von der letzten Lesung, wenn du da fett den Lesungsort und das Datum draufgeschrieben hast.

Frag die Leute nicht, was du als Signatur reinschreiben sollst. Sonst endet ihr beide bei »Viel Spaß beim Lesen!«.
Ein schöner kurzer Spruch, der zum Buch passt, wäre ne super Idee. Zitat, Redewendung … Das kann man sich im Vorfeld überlegen und dann immer beibehalten.
Abgerundet wird die Signatur mit Leseort und Datum. Und mit Stempel natürlich, in meinem Fall. Muss ja amtlich sein. ;)

Euer Ingo S. Anders

Meine Kunstadresse.
Folgt mir auch auf Instagram!
Gebt meiner Facebook-Seite ein Like!


Entdecke mehr von Ingo S. Anders

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.