SGZ 42 KUNST

SGZ 42 KUNST

Ist das Kunst oder kann das weg? Das frage ich mich in letzter Zeit häufiger. Ob sich das auch Douglas Adams fragte, als er »Per Anhalter durch die Galaxis« schrieb? Oder hat er es einfach gemacht, weil er Bock drauf hatte?
Muss ich denn verflucht noch mal irgendwas ausdrücken wollen, die Welt retten oder wenigstens bewegen oder/und einen Haufen Kohle machen – reicht es nicht einfach, Spaß dran zu haben? Ich fürchte, ich bin nicht dazu in der Lage, an jedem einzelnen Tag Spaß am Schreiben zu haben und schon gar nicht 8 Stunden oder erst recht nicht 10.000 Wörter lang. Geschweige denn in Wochen, in denen mir die ganze Scheißwelt auf den Keks geht und ich nur fürs Nötigste den Computer anmache. Böser Schwarzer Hund!
Die gute Nachricht ist: Ich habe zwei Bücher gelesen. Im Handel erworbene. Eines war ein Pageturner, den ich in einem durchsuchten musste (Liebes Kind, Romy Hausmann). Das andere war vergleichsweise lahm, hat mich aber sehr ins Nachdenken gebracht (Der Store, Rob Hart). Rezensionen gibt es für beide zur Genüge.
Die Frage ist: Was ist Kunst? Den Geschmack der Masse zu treffen oder aber diese aufzurütteln? Was davon will ich? Und was von dem, das ich will, kann ich überhaupt?
Habe ich das Talent, Kunst zu schaffen? Oder habe ich nur mühsam in Eigenregie ein Handwerk erlernt, für das mir das gewisse Etwas fehlt? Bin ich so fantasielos, wie ich glaube, oder halte ich die Büchse der Pandora noch verschlossen?
Vielleicht bin ich auch nur zu ungeduldig, brauche einfach mehr Zeit für das, was ich mir vorgenommen habe.

Als ich meinen ersten Marathon gelaufen bin, hatte ich null Vorbereitung, starkes Übergewicht, aber ein Ziel vor Augen und festen Willen. Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukommen würde, aber einmal angefangen, wollte ich nicht aufgeben.
Entlang des Weges gab es immer wieder Posten mit Erfrischungen und bei diesem gab es sogar eine Suppe. Ich setzte mich das erste Mal hin und aß und mein Körper schrie danach, ich möge mich hinlegen und fortan nicht wieder bewegen. Ich saß gerade zwanzig Minuten, da kam der Mann, der die Wegweiser einsammelte.
Dennoch brauchte es erst gutes Zureden von drei Leuten (und etwas Druck von dem Mann, der weiter Schilder einsammeln wollte), damit ich mich dagegen entschied, weiterzulaufen und mich von einem Auto ins Lager fahren zu lassen. Dass ich einen Halbmarathon bewältigt hatte, den andere sich überhaupt nur als Ziel setzen, habe ich erst im Nachhinein realisiert.
Bei meinem zweiten Marathon zwei Jahre später hatte ich Normalgewicht und da mir drei Wochen zuvor das Fahrrad geklaut worden war, hatte ich die 7km täglich zur Arbeit hin- und zurücklaufen müssen. Da ich abends zudem jeden Abend 7km joggte, war es ein leichtes, die halbe Strecke zu joggen und die zweite Hälfte zu gehen. So brauchte ich insgesamt noch an die acht Stunden, aber ich kam an.
Diese Erfahrungen haben mich sehr geprägt. Immer dann, wenn Durchhaltevermögen gefragt ist, kann ich darauf zurückgreifen.
In beiden Fällen tat mir eine Woche danach alles weh, aber das lag an der inadäquaten Vorbereitung.

Ginge es also um die Frage, ob ich der geborene Marathonläufer sei, kann ich die sehr leicht verneinen.
Was das Schreiben angeht, so merke ich da keinen Unterschied, ob es sich um eine Romanprojekt oder um Kurzgeschichten handelt. Aber ich scheine ein Problem mit einer alltäglichen Routine zu haben. Sobald es sich wie eine Pflichtübung anfühlt, macht es mir keinen Spaß mehr und ich fürchte, das merkt man den Texten auch an.

Wörter: 582

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