Noch immer herrscht Krieg, an viel zu vielen Orten auf der Welt. Noch immer werden viel zu viele Menschen Opfer von Gewalt. Männer, Frauen, nicht-binäre Personen. Gesunde, Kranke, Behinderte. Jeglicher Hautfarbe, Herkunft und sexueller Orientierung. Quer durch alle Schichten und Altersgruppen.
Warum nur funktioniert das System Krieg immer noch? Wie können wir das hinkriegen, dass wirklich keiner hingeht?
Moin ihr Lieben, das wird einer dieser Beiträge, die ich lieber würde nicht schreiben müssen, aber irgendwo muss ich es hinkotzen.
Ich bin trans* und behindert. Es dürfte klar sein, dass Friedrich Merz nicht mein Kanzler ist. Und angesichts der Tatsache, dass er alles das in die Wege leitet, womit zuvor die AfD geworben hat, macht es auch keinen Unterschied mehr, dass nicht die AfD direkt an der Macht ist. Ich fordere: Herr Merz, treten Sie zurück, bevor Sie noch mehr Schaden anrichten.
Mir blutet das Herz, wenn ich die Tränen in den Augen derer sehe, die ich liebgewonnen habe. Sie weinen, weil sie in den Augen des Bundeskanzlers aufgrund ihres Aussehens abgeschoben werden sollen oder könnten, da sie „ein Problem im Stadtbild“ seien.
Das betrifft Menschen, mit denen ich mich angefreundet habe. Menschen, die wie ich schreiben. Menschen, die mich täglich versorgen, weil ich es aufgrund meiner Behinderung nicht mehr alleine kann. Menschen, die mich wegen meiner Krankheiten medizinisch versorgen, in Arztpraxen, Krankenhäusern und Apotheken. Menschen, die mir beim Einkaufen helfen. Menschen, die mir die Post und Pakete bringen. Menschen, die für meine Sicherheit sorgen. Menschen, die in Behörden meine Anträge bearbeiten. Menschen, mit denen ich zusammen die Ausbildung gemacht und studiert habe. Menschen, mit denen ich zur Schule gegangen bin. Menschen, mit denen ich im Kindergarten war. Menschen, die neben mir auf der Säuglingsstation lagen. Menschen, die genau wie ich aus dem Bauch ihrer Mutter kommen.
In meinen Augen werten diese Menschen das Stadtbild auf, weil sie für Vielfalt sorgen. Was mir Angst macht, sind weiße Männer, die uns des Stadtteils verweisen wollen, in dem wir seit Jahren leben, nur weil wir aussehen, als seien wir schwul.
Die Frage nach der Herkunft wurde mir auch schon gestellt.
Schaut mal, sieht so ein Deutscher aus oder habe ich einen Migrationshintergrund?
Tatsächlich ist Anlass solcher Fragen nicht mein Aussehen, sondern die Schreibweise meines Nachnamens, der ein Zeichen enthält, das im Deutschen nicht vorkommt. Häufig wird auch angenommen, mein zweiter Vorname sei Bestandteil des Nachnamens. Der Name ist in Deutschland nicht weit verbreitet. Als ich hier einzog, stand deshalb nur mein zweiter Vorname am Klingelschild. War eigentlich ganz nett.
Ich werde also nicht gefragt: „Wo kommen Sie (wirklich) her?“ sondern „Wo kommt ihr Nachname her?“ und wenn ich dann antworte „aus erster Ehe“ gibt es lange Gesichter. Ich glaube, die Person merkt dann selbst, wie indiskret die Frage ist, und dass ich darüber nicht sprechen wollte.
Aber habe ich denn nun einen Migrationshintergrund?
Ich bin in Duisburg in Deutschland geboren und in der Nähe der damaligen Hauptstadt Bonn aufgewachsen. Deshalb gehörten Menschen, die nicht weiß sind oder denen verschiedenste Glaubensrichtungen anzusehen waren, für mich schon immer zum Stadtbild. Deren Herkunft hat mich nie interessiert. Auch heute frage ich nach so etwas nicht. Es wird mir erzählt, wenn es für die Leute von Bedeutung ist, dass ich es erfahre, oder eben nicht.
Also ich bin weiß und in Deutschland geboren. Das sieht erst mal nicht so aus, als hätte ich einen Migrationshintergrund. Ich bin über dreizehn Mal umgezogen, dann habe ich aufgehört zu zählen. Aber alles innerhalb von Deutschland, also gilt das wohl nicht als Migration.
Wäre ich nicht weiß, wäre die nächste Frage, ob meine Eltern denn in Deutschland geboren sind. Auch meine Eltern sind beide in Deutschland geboren. Wieder Fehlanzeige.
Aber vielleicht bin ich ja Migrant der 3. Generation? Mal überlegen … die Familie einer Großmutter lebte seit Generationen in Deutschland auf demselben Land, über die Herkunft eines Großvaters weiß ich nichts … Oh, ja, tatsächlich! Einer meiner Großväter kam aus dem Altenburger Land. Das liegt zwar heute in Deutschland, aber damals war es die DDR und somit Ausland.
Nicht migrantisch genug, weil das auch Deutsche waren?
Eine meiner Großmütter kam ursprünglich aus den Niederlanden. Das ist damals wie heute nicht Deutschland, also doch wohl ein Migrationshintergrund. Vielleicht fühlt sich das nicht migrantisch genug an, weil das ja gleich nebenan ist.
Es geht dabei nicht um faktische Migrationen.
Für die Unterstellung eines Migrationshintergrundes spielt es aber keine Rolle, aus welchem Teil der Welt jemand hierher kam, wie beschwerlich die Reise war und unter welchen Umständen sie stattfand. Die Menschen werden anhand ihres Aussehens vorverurteilt, egal, wann und wo sie selbst und ihre Vorfahren gelebt haben.
Wäre ich schwarz, könnte ich Weber oder Müller heißen und meine Familie seit Jahrhunderten in Deutschland leben, weil meine Vorfahren in der Kolonialzeit gegen ihren Willen hierher verschleppt wurden. Man würde mich trotzdem fragen, wo ich herkomme.
Ich bin weiß und ich habe mir das nicht ausgesucht. Ich bin in Deutschland geboren und ich habe mir das nicht ausgesucht. Ich habe nichts dafür tun müssen, in Deutschland leben zu dürfen.
Doch ich muss etwas dafür tun, die Demokratie in meinem Vaterland zu erhalten, damit ich nicht selbst der Nächste bin, der hier nicht länger willkommen ist.
Wehrt euch!
Bitte, wir dürfen nicht aus Angst mit unserer Meinung hinter dem Berg halten oder gar mitmachen. Wer schweigt, gibt seine Stimme den Nazis.
Zum heutigen Tag der nicht-sichtbaren Behinderungen möchte ich euch zu meinen nächsten Lesungen einladen. Um es sichtbar zu machen: Diesen Werbetext hat eine Assistenz für mich verfasst.
🍂 Lese-Herbst 2025
Titel: Lesung von „PEMM ist, wenn die Löffel nicht gereicht haben“, eine queere SickLit-Kurzgeschichte von Ingo S. Anders
Untertitel: Hamburgs queere Literaturszene lädt Ingo S. Anders zu zwei Terminen, um erstmalsdie berührende SickLit-Kurzgeschichte „PEMM ist, wenn die Löffel nicht gereicht haben“ vorzutragen.
PEMM ist eine schonungslos ehrliche und zugleich hoffnungsvolle Erzählung über die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers und dem alltäglichen Ringen mit den Strukturen unseres Gesundheitssystems. Ein unbequemer Perspektivwechsel, der jedoch mit soviel Charme und humorvoller Selbstreflexion erzählt wird, dass zwischen Lachen und Nachdenken dieser wertvolle Raum entsteht, in dem Verständnis und Empathie wächst. Genau hier liegt die Stärke diesen Textes, was ihn zu einem wertvollem Beitrag eines integrativen Diskurses macht. Wo genau die Grenze zwischen persönlicher Erfahrung und literarischer Ausdruckskraft verlaufen, lässt sich dabei nur erahnen, klar ist jedoch: Diese Stimme will gehört werden!
📚 Zwei Lesungstermine – online & vor Ort:
Online-Lesung, Allabendlichqueer 📅 20.11.25 🕗 Einlass 19:20 Uhr, Beginn 19:30 Uhr, kein Einlass nach Beginn 🎟️ Eintritt frei 💻 [Per Zoom / keine Anmeldung erforderlich] 🔗 Weitere Infos unter: https://www.wir-schreiben-queer.de/allabendlichqueer/
Es geht in der Geschichte um eine Frau, die an ME erkrankt ist und in der ersten Szene schwer krank im Bett liegt. Ja, das tut weh. Im Hauptteil schleppt sie sich in eine Praxis und trifft dort auf eine attraktive Ärztin. Und es gibt sogar ein Happy End! Aber Feelgood-Lektüre kann es nicht sein. Nicht mit dieser Krankheit.
Die Lipkin-Studie belegt nun das, was jede:r ME-Betroffene längst weiß: Dieses grippige Gefühl ist nicht eingebildet. Es ist die körperliche Reaktion auf Belastung, verursacht durch das Immunsystem.
Ich verstehe leider nicht mehr alles, zu schnell ist meine Konzentration am Ende und ich bekomme Kopfschmerzen. Ich kann nicht mehr Fachbegriffen recherchieren, so wie früher. Mein Textverständnis ist jetzt sehr viel schlechter geworden oder anders gesagt, ich bräuchte wesentlich mehr Zeit. Zeit, die ich nicht habe, weil meine Zeit knapper geworden ist. Für die Kurzfassung des 1. Artikels reicht es allemal, am 4. habe ich mir die Zähne ausgebissen.
Da ich ja im Interesse meiner Herzgesundheit mein Gewicht reduzieren muss, habe ich mich näher für die Zucker- und Stoffwechselstörung interessiert. Erst bei etwa 120kg kann ich operiert werden. Speck mal gut 30kg ab, wenn du dich nicht bewegen darfst und auch schlichtweg kaum noch kannst, gleichzeitig aber sollst, aber dein Körper nicht mehr gescheit verdaut und etliches nicht verträgt. Also im Liegen und unter erschwerten Bedingungen. Meine Medis tun ihr Übriges, helfen aber auch dabei. Die Entwässerungstabletten haben mir einen ordentlichen Motivationsschub gegeben, weil es da wirklich schnell runterging am Anfang.
01.03.22: 156,7kg (ältester von meiner Waage gespeicherter Wert)
Seit ich keto mache, also auf Kohlenhydrate weitgehend verzichte, geht tatsächlich auch Fett runter, wenn die Waage nicht lügt. Viel Muskeln habe ich verloren und an den (fehlenden) Ödemen sehe ich, wie viel Wasser raus ist. Darauf bin ich durch ein Buch aus dem Grabbeltisch im Supermarkt gekommen, weil ich wissen wollte, warum die Tomate dick macht. Es ist von Dr. med. Ulrich Strunz und heißt: Wieso macht die Tomate dick? Dringende Empfehlung!
Ich bin dann wieder im Bett, schließlich bin ich krank.