SGZ 12 DRUCK

SGZ 12 DRUCK

Luxusprobleme
»Wissen Sie eigentlich, unter was für einem finanziellen Druck wir stehen?« Der beleibte Mann faltete die Hände wie zum Gebet.
»Luxusprobleme, lieber Herr Hirsch, Luxusprobleme. Wenn der Neubau erst fertig ist, bekommen wir das um ein Vielfaches wieder herein. Und jetzt tun sie das, wofür Sie bezahlt werden, anstatt hier herumzuwinseln. Sie machen sich ja lächerlich!«

Arno Hirsch ließ sich in seinem Büro in den Sessel plumpsen.
Seine Sekretärin brachte ihm wortlos einen Kaffee.
»Ach, danke, meine Liebe.« Er schnaufte beim Gedanken an die vergangene Besprechung. Niemand interessierte sich dafür, dass er bald schon nicht mehr wusste, woher er das Geld für die Gehälter nehmen sollte. Aber Hauptsache es wurden Millionen für die Werbung ausgegeben und ansonsten alles für den Neubau verpulvert, dessen Haushalt sich jetzt schon zum dritten Mal verdoppelt hatte. Nur das Personal ging mal wieder leer aus, abgesehen vom oberen Management.
Arno stützte den Kopf in beide Hände und atmete tief ein und aus.
Da klopfte es an der Zwischentür.
»Herr Hirsch, hier ist eine Bewerberin.«
»Sagen Sie ihr, wir haben keine Stellen und auch kein Budget.« Jetzt war es ja auch egal. Brauchte die Welt gar nicht glauben, die Firma sei solvent.
»Sie hat ein Schreiben von der Geschäftsführung dabei mit einer Zusage.«
»Das ist doch wohl die Höhe!« Jetzt nahm man ihm sogar schon die Zügel aus der Hand. Vielleicht war es an der Zeit, dass er kündigte. Aber neugierig war er dann doch. »Schicken Sie sie rein.«
Rote Locken, schlank, offenbar sportlich. Vermutlich nur eine Praktikantin, so jung wie sie war. »Danielle Halm. Sie sind Herr Hirsch?«
»Ja, Frau Halm. Der bin ich. Dann zeigen Sie mal ihre Unterlagen.«
Master-Abschluss in Personalmanagement, sieben Sprachen, in der Freizeit Fußballtrainerin. Er konnte nicht anders, als anerkennend zu pfeifend. »Dann sind Sie wohl meine Nachfolge, Frau Halm?«
»Doppelspitze, Herr Hirsch. Wir ergänzen uns. Ich bringe frischen Wind rein und Sie kennen die Ecken, die Leute hier.«
»Und woher … ? Ich meine, unser Budget ist voll ausgereizt.«
»Unser Vorgesetzter verzichtet bis zur Fertigstellung des Neubaus auf ein Teil seines Gehalts.« Sie grinste.
»Was, wieso?«
»Seine Frau ist ihm weggelaufen, da möchte er vorübergehend nicht so viel verdienen.«

Wörter: 361

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