#diverserdonnerstag: Sicherheit

#diverserdonnerstag: Sicherheit

Während ich mich noch frage, wie Sicherheit ein Privileg sein kann, fällt mir der Krieg in Afghanistan ein. Als nächstes denke ich an homo- oder transphobe sowie rassistische Übergriffe. Dann wird mir klar, dass auch Geld eine ganze Menge Sicherheit schaffen kann, indem man Versicherungen abschließt und sich damit die Angst abkaufen lässt vor Feuer, Einbruch, Diebstahl Krankheit, Unfällen und was es alles gibt. Auch Alarmanlagen kann man sich einbauen lassen, Kameras installieren und sogar einen Panic Room. Hat man das Geld dafür nicht, kann man das alles nicht haben. Aber ist man dadurch weniger sicher? Sicherheit ist doch vor allem ein Gefühl. Es ist das Fehlen der Sorge vor dem möglichen Eintreten verschiedenster Ereignisse. Dass man derzeit in Afghanistan erschossen wird, ist freilich weitaus wahrscheinlicher als in Deutschland. Die Leute machen sich ja nicht ohne Grund auf den Weg.

Natürlich: Kondome schützen. Prep schützt. Kugelsichere Westen schützen ebenso wie Fahrradhelme und Anschnallgurte. Alles mit wissenschaftlich nachgewiesener Wahrscheinlichkeit.

Als Blogger fühle ich mich durch das Internet relativ geschützt. Da ist eine Barriere, ich kann einfach die Kiste zuklappen und es ist Ruhe im Karton. Bis ich einmal eine Postkarte »von einem unbekannten Witzbold« bekam. Das hat mir einen Heidenschreck eingejagt und mein Blog war zwei Jahre off. Später gab sich der Absender mir gegenüber zu erkennen. Die Erinnerung bleibt. Deshalb versuche ich, nicht zu viel private Informationen preiszugeben. Ich versuche, seriös aufzutreten. Ich versuche irgendwie mit diesem Gefühl der jetzt geminderten Sicherheit umzugehen. Dabei ist es faktisch genau dasselbe Risiko wie zuvor.
Als Autor habe ich mir vor der Veröffentlichung große Sorgen gemacht, wie man nach der Lektüre auf mich zugehen könnte. Meine Geschichten können aufwühlen und aufgebrachte Menschen verhalten sich nicht immer rational und handeln schon gar nicht überlegt.

Wenn man (Menschen oder) Figuren miteinander vergleicht, muss sich zwangsläufig eine sicherer fühlen als die andere und seien die Unterschiede noch so fein. Aber vielleicht hinsichtlich verschiedener Aspekte, sodass kein Machtgefälle entsteht.
Schwuppenplanschen: Dennis macht sich Sorgen wegen seines Outings als Transmann, Rasheeda hat zudem eine dunklere Hautfarbe und hätte also einen zusätzlichen Grund zur Sorge, sie ist aber eher taff und Dennis ohnehin ein ängstlicher Typ.
Der Genesungsbegleiter: Lena ist in einer akuten psychischen Krise, Mark ist stabil und tritt als ihr Mentor auf. Lena ist einfach verletzlicher, ihre ganze Welt ist gerade zusammengebrochen und sie hinterfragt naturgemäß vieles.
In meinem angedachten Thriller, der noch nicht fertig geplant ist, wird ein Lehrer auftauchen, der seine Schüler:innen beschützen möchte. Das wird da eine große Rolle spielen. Mehr verrate ich noch nicht.

Personen und Diversity recherchieren — Hans Peter Roentgen + Nachtrag Coming Out

Personen und Diversity recherchieren — Hans Peter Roentgen + Nachtrag Coming Out

„Sensitivity-Writing“ ist das neue Schlagwort. In Romanen tauchen fast immer weiße Personen aus dem Bildungsbürgertum auf. Sonderlich verwunderlich ist das nicht, die meisten Autorinnen und Autoren stammen aus dieser Gruppe und kennen sich dort aus. Schon Frauen aus dieser Gruppe sind in Romanen und Filmen seltener als Männer, geschweige denn Angehörige von Minderheiten. Und wenn […]

Personen und Diversity recherchieren — Hans Peter Roentgen

An Recherche habe ich mich bisher noch nie so wirklich rangewagt, nur mal ein bisschen hier und da gegoogelt. Einmal habe ich eine Autorin gefragt, die jemanden kennt, der eigene Erfahrungen hatte mit einem Thema, das für mich wichtig war, weil es maßgeblich Einfluss auf eine meiner Figuren hatte. Sonst kaufe ich Bücher von Own Voice Autor:innen. Direkt Kontakt aufzunehmen und gezielte Fragen zu stellen fällt mir schwer. weshalb ich mich bisher davor gedrückt habe. Ausgenommen sind natürlich Menschen, die ich bereits kenne.

Ich finde Herrn Roentgens Beitrag lesenswert, da er aufzeigt, dass man auch bei sensiblen Themen recherchieren kann. Ich fand die Lektüre ermutigend, auch Stoff anzupacken, bei dem man sich bisweilen Sorgen macht, jemandem auf die Füße zu treten, weil man keine eigene Erfahrung hat.
Und ja: Man kann es nie allen recht machen. Aber nachfragen kann, darf und sollte man.

Nachtrag zum Coming Out

Beim letzten #diverserdonnerstag zum Thema Coming-out habe ich mich sehr kurz gefasst, weil ich vermeiden wollte, dazu einen ganzen Roman zu schreiben und auch zugegebenermaßen zu wenig Zeit dafür hatte.

Outen muss bzw. kann man sich ja nur bezüglich solcher Merkmale, die man einem nicht ansieht. Meine Hautfarbe sieht man mir an, meine Behinderung nicht. Vieles kann ich durch Kleidung ausdrücken, manches nicht. Manches möchte ich offenlegen, anderes nicht. Mein Körper schrie eine gefühlte Ewigkeit, ich sei eine Frau. Das war keine Verkleidung, ich konnte die falsche Hülle nicht einfach abstreifen.
Lange Jahre habe ich versucht, mich nicht outen zu müssen bzgl. trans*, Das sieht man mir ja nicht an, solange ich mich nicht ausziehe. Ich wurde dennoch immer wieder in Situationen gebracht (zB durch Behörden), in denen ich mich outen musste, was mich teilweise stark getriggert hat. Weil ich durch den Angleichungsprozess über Jahre hinweg gezwungen war, mich bei Hans und Franz zu outen und das auch noch zu belegen und gutachterlich bestätigen zu lassen. Es reicht ja nicht, wenn ich sage, dass ich ein Mann bin, dass müssen zwei Ärzte, ein Psychologe und ein Richter feststellen. Um den Weg zu ebnen, damit die Krankenkasse mir dabei hilft, dass mein Körper für mich spricht.
Dass ich schwul bin, muss ich eigentlich nicht rumposaunen, so lange ich nicht auf Partnersuche bin. Es reicht doch, wenn man das einmal im Freundeskreis bekanntgibt. Denkste! Es fällt doch immer wieder auf, wenn ich bei neuen Kontakten von meiner besseren Hälfte spreche. Wir werden schwul gelesen, wo wir als Paar auftreten. Dazu muss man gar nicht zum CSD gehen, nur einkaufen. Als Autor trete ich out and proud auf, weil ich mich als Own Voice positionieren will.
Auch bezüglich meiner bipolaren Störung könnte ich eigentlich Stillschweigen bewahren. Heul leise! Schon klar. Es ist aber für mich wichtig, ein Umfeld zu haben, das Verständnis hat. Für lange unangekündigte Phasen des Rückzugs. Für plötzlich auftretende Geselligkeit, die ebenso schnell wieder verschwindet. Sonst muss ich mir jedes Mal neue Freunde suchen.
Als hochsensible Person bin ich schnell überfordert von Reizen (was durch meine bipolare Störung noch verschärft wird), weshalb von anderen bevorzugte Umgebungen für Gespräche wie Cafés und Restaurants für mich absolut ungeeignet sind, weil ich da Gesprächen kaum folgen kann.
Ich könnte die Aufzählung noch fortsetzen, aber ich mag nicht mehr.

Ich bin des Outens müde. Und es fehlt mir auch, vollständig gesehen zu werden, wenn ich Teile meiner Selbst verschweigen muss. Ich mag keine Angst haben, mich zu verplappern und plötzlich unter Ressentiments leiden zu müssen. Deshalb mache ich es öffentlich: Ich bin Autor. Ich habe ein Buch geschrieben. Möge die Bubble der mir Wohlgesonnenen mich umhüllen.

#diverserdonnerstag: Coming-Out

#diverserdonnerstag: Coming-Out

»Ich bin schwul und das ist auch gut so«, sagte einst Klaus Wowereit. Zwanzig Jahre ist das her. Ist es seither leichter geworden, sich zu outen? Im allgemeinen Ja, im Einzelfall Nein.

Gibt es in deinen Geschichten Coming-Outs?

Ja und Nein. In meinem Genesungsbegleiter geht es um ein ganz anderes Thema, das Paar im Fokus ist hetero. In Schwuppenplanschen ist es für Dennis eine Hürde, die er zu nehmen hat. Nicht, weil er schwul ist, sondern weil er trans* ist. Das weiß sein Love Interest noch nicht und Dennis ist es unangenehm, sich zu offenbaren; er hat Angst vor Ablehnung.

Umgang mit Sexualitäten/Gender

Schwuppenplanschen spielt in einer Blase, in der es normal ist, trans* zu sein. Aus Sicht des Protas ist hier der Cismann das unbekannte Wesen. Ich versuche, beiden Seiten gerecht zu werden. Für den Cismann ist es natürlich normal, cis zu sein.

Worauf sollten wir beim Beschreiben eines Coming-Outs achten?

Ich finde es wichtig, beide Seiten zu zeigen. Es ist nicht nur schwer, für denjenigen, der sich offenbart. Es ist eben auch eine Offenbarung für denjenigen, der plötzlich etwas Neues über sein Gegenüber erfährt. Das kann das Vertrauen infrage stellen, das kann das ganze Weltbild ins Wanken bringen.

#diverserdonnerstag: Klassismus

#diverserdonnerstag: Klassismus

»Bonzenkind!«, bekam ich oft zu hören. Gleichzeitig bekam ich vonseiten meiner Eltern zu hören, wir seien nicht Krösus. Mein Vater leitete ein kleines Unternehmen mit bis zu 25 Mitarbeitern. Und die bekamen immer zuerst ihr Geld, bevor wir dran waren.

»Klassismus bezeichnet Vorurteile oder Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft oder der sozialen Position und richtet sich meist gegen Angehörige einer ›niedrigeren‹ sozialen Klasse.«

Wikipedia am 11.10.21, 14:40

Ich wuchs im reichsten Stadtteil einer Kleinstadt auf, oder zumindest dem mit der teuersten Wohnlage. Besuche bei Klassenkameraden, die nicht in freistehenden oder wenigstens Reihenhäusern lebten, sondern alle zusammen in einer Wohnung mit nur drei Zimmern, bereiteten mir einen Kulturschock – andersrum genauso.
Ich selbst machte mit HartzIV kurzzeitig Bekanntschaft, als ich dann auf 18qm meine ersten eigenen vier Wände hatte. Ich fühlte mich finanziell unabhängig und war doch vom Regen in die Traufe gekommen.

Wie gestalte ich also meine Figuren in meinen Geschichten? Sind sie finanziell bessergestellt? Sind sie sich dessen bewusst?

Nehmen wir mal meine Protagonisten Mark und Lena aus meinem ersten Roman Der Genesungsbegleiter (Arbeitstitel).
Beide leben in Haushalten, in denen Bücherregale stehen. Lenas Vater ist Journalist und liest täglich mehrere Zeitungen, da ist das naheliegend, dass sie einen wichtigen Halt im Lesen gefunden hat. Er lebt in einer Eigentumswohnung, sie in einem gemieteten Apartment.
Und Mark? Sein Vater ist Malermeister. Der liest ein Automagazin und fertig. Trotzdem gibt es ein Räumchen, das sie als Bibliothek bezeichnen, in dem mehrere (!) Bücherregale stehen. Marks Mutter ist Floristin und sammelt leidenschaftlich Zeitungsausschnitte. Schon wieder Zeitungen!
Marks Oma mütterlicherseits war Schriftstellerin.

Das bedeutet: Ja, meine beiden Turteltäubchen sind vom Elternhaus her finanziell bessergestellt.
Lena ist das überhaupt nicht klar, sie hat wenig soziale Kontakte und blickt anfangs kaum über ihren Tellerrand. Die Freunde ihres Vaters kommen ebenfalls aus gut situierten Haushalten, weshalb sie eben das für »normal« hält.
In Marks Elternhaus ist es omnipräsent, dass er (der Vater) sich (und seiner Familie) alles selbst hart erarbeitet hat. Durch seine EX-IN-Ausbildung kommt Mark mit Erwerbsminderungsrentnern in Kontakt, die von der Grundsicherung leben müssen. Die froh sind, sich bald wenigstens 450 Euro dazuverdienen zu dürfen, was für sie einen Riesenunterschied ausmacht, auch wenn es nicht für große Sprünge reicht. Das wird allerdings nicht thematisiert, es gehört zur Vorgeschichte, die man nicht erzählt, aber für die Figurenentwicklung braucht.

Wenn in dieser Geschichte jemand Vorurteile gegenüber jemandem wegen der sozialen Position oder Herkunft hat, dann Marks Vater gegenüber seinem Schwiegervater, denn der war ihm bereits gebürtig »überlegen« und hat auf ihn herabgeblickt, weil seine Tochter »unter Stand« geheiratet hat und seinen Segen nur ihr zuliebe zähneknirschend gegeben. Beide konkurrierten ständig miteinander. Aber das ist eine andere Geschichte.

Buch setzen für Dummies

Buch setzen für Dummies

In das Thema Buchsatz musste ich mich völlig neu einarbeiten und da es das war, was mir wie letzte Woche berichtet letztlich das Genick gebrochen hat, weshalb Tobaksplitter verspätet erscheint. Im Vorfeld wusste ich gar nicht, dass man ein Buch überhaupt setzen muss; ich dachte, nach dem Lektorat kommt quasi der Druck und man sucht sich nur hübsche Schriftarten für die Überschrift aus und trennt einmal ein bissl, so ungefähr.

Ich wurde auf SPBuchsatz hingewiesen. Das ist ein Programm für Menschen, die logisch genug denken können, dass sie einen Arbeitsschritt nach dem anderen machen, sicherlich ein gutes Werkzeug. Es markiert die Stellen im Text, die fehlerhaft sein könnten, bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten und den fertigen Buchblock kann man gleich nach pdf auswerfen lassen.
Ich habe bereits im Studium gelernt, dass ich nicht programmieren kann. Mich machen Fehlermeldungen verrückt und ich produziere sie immer wieder, obwohl ich weiß, dass man immer nur eine Sache ändern darf und dann sofort wieder das Programm laufen lassen muss, um zu sehen, wie es sich verhält … ich hasse Debuggen! Dazu bin ich einfach zu ungeduldig. Ich suche nach einer Sache, sehe unterwegs was anderes und ändere fünf Sachen auf einmal und weiß dann nicht, welche Änderung den Fehler verursacht hat und vor allem weiß ich auch nicht mehr, was ich alles geändert habe.
Wer gut oder gerne mit Code arbeitet, dem sei SPBuchsatz wärmstens empfohlen, es ist kostenlos. Viel gelernt über die typographischen Regeln habe ich aus der zugehörigen Anleitung zur Feinkorrektur. Vielen Dank an Karl-Heinz Zimmer!

Kostenpflichtig ist das Beauftragen des Satzes bei einem professionellen Setzer, der vermutlich mit Adobe Indesign arbeitet, das auch eine Stange Geld kostet.

Professionell wird mit Ligaturen und Mediävalziffern gesetzt.

Ich habe habe mich also dazu entschieden, selbst Hand anzulegen. Ich arbeite mit Papyrus. Vermutlich sind meine Erkenntnisse aber auch auf die Anwendung mit anderen Textverarbeitungsprogrammen übertragbar.
Weil ich keine Ahnung hatte, was da alles auf mich zukommt, bin ich xtausendmal durch den Text durchgegangen und habe jedes Mal mit dem gerade neu erworbenen Wissen wieder Fehler entdeckt und habe dann wieder von vorne angefangen. Ich versuche euch eine Empfehlung auszusprechen, mit der euch das erspart bleibt, damit ihr nicht auch vier Probedrucke bestellt, bevor ihr begreift, dass ihr noch gar nicht so weit seid, welche zu benötigen.

Ich setze mal die Lektüre dieses Artikels voraus: Zehn Grundregeln für ein professionelles Buchblockdesign.
Dort geht es unter Punkt 4 um Schriften.

Auswahl und Formatierung der Schriften

Trefft eine Entscheidung, welche Schriftart und -größe sowie Zeilenhöhe ihr nutzen wollt und bleibt dann dabei. Jede Änderung in diesen Punkten hat zur Folge, dass sich die Buchstaben alle wieder verschieben und ihr von vorne anfangen müsst, alles durchzuprüfen und ggf. zu ändern. Wenn ihr nicht wisst, was passen könnte, orientiert euch an Büchern, die ihr zu Hause habt. Haltet einen Ausdruck von eurem Drucker zu Hause – eine Seite genügt – neben eine Buchseite, die euch gefällt. Kostenlose Fonts gibt es z.B. hier, unter anderem EB Garamond: 1001 Fonts ❤ Free Fonts Baby!
Zur Orientierung: Ich habe mich letztendlich für Kapitelüberschriften mit dem Font Bradley Hand ITC in Größe 20 Punkt entschieden und als Grundschrift für Garamond in Größe 11,9 mit Faktor 1.1315.

Wenn ihr mal eine beliebige Buchseite gegens Licht haltet, sollte euch auffallen, dass ihr nie das Schwarz der Rückseite im Weißraum zwischen den Zeilen seht. So sollte es aussehen. Die Zeilen müssen auf einer Höhe sein. Bei meinen normalen Seiten war das auch so, allerdings nicht, wenn ein neues Kapitel begann, denn die Überschrift nahm in meinem Fall so viel Raum ein, dass die anderen Zeilen verschoben waren. Wenn ihr euch die Grundlinien anzeigen lasst (Ansicht > Hilfszeichen anzeigen und Einstellungen > Einstellungen … > Erscheinungsbild > Hilfszeichen > Haken setzen bei Basislinien der Zeilen), dann seht ihr bereits, ob die Linien auf einer Höhe sind oder nicht, wenn ihr euch zwei Seiten nebeneinander anzeigen lasst (Ansicht > Darstellung Einstellung … > Seiten nebeneinander: 2). Ausdrucken und zwei Blätter übereinander und gegens Licht geht halten geht auch. Ich konnte bei meinem ersten Probedruck sehen, dass die Zeilen nicht sauber übereinanderlagen.
Ich habe also in die Kapitelüberschrift geklickt und über Absatz > Erweiterte Absatzformatierung … den voreingestellten Abstand unter dem Absatz bzw. der Überschrift erhöht auf 3,9297, was automatisch gerundet wurde auf 3,93. Zur Kontrolle habe ich zwei Seiten ausgedruckt und übereinander gegens Licht gehalten. Obwohl die Basislinien wie auf dem Bildschirm erkennbar nicht exakt übereinstimmten, war für mein Auge kein Unterschied auszumachen.

Diesen krummen Wert habe ich durch folgende Formel ermittelt bzw. ermitteln lassen:
[(Abstand über dem Absatz) + (Abstand unter dem Absatz)] = (vermutete Anzahl der Zeilen auf gegenüberliegender Seite) * (Schriftgröße der Grundschrift in Punkt) * (Zeilenhöhe in Faktor) – (Schriftgröße der Überschrift in Punkt)
Auf dem Zettel, den meine Rechenfee mir hinterlassen hat, steht: x=k * 11,9 * 1,1315-20
Die erste Vermutung war, dass 2 Zeilen ausreichen, um eine Zeile mit der Überschrift auszugleichen. Diesen Wert haben wir für k eingesetzt und heraus kam 6,9297, bei einer 3 war es 20,39455. Manche mögen Überschriften, die viel Raum einnehmen. Ich in diesem Falle nicht, weil es viele kurze Texte sind und entsprechend viele Überschriften, die dann zu sehr auftragen würden.* Wenn ihr den Abstand wie errechnet erhöht, und für alle Kapitelüberschriften mit derselben Formatvorlage übernehmt, dann passt es auch, falls ihr zweizeilige Überschriften dabei habt. Dann sind es vier Zeilen gegenüber. ;)
Ihr könnt natürlich auch den Abstand über der Überschrift verändern oder es oben und unten verteilen, aber ich fand mehr Abstand zum Fließtext hübscher. Wichtig ist nur, dass die Kapitelüberschrift denselben Raum einnimmt wie die ermittelte Anzahl normalhoher Zeilen auf der gegenüberliegenden bzw. Rückseite. Dabei sollten auf einer normalen, vollbeschriebenen Seite zwischen 30 und 40 Zeilen sein. Die Zeilennummerierung schaltet ihr ein mit Dokument > Dokument-Eigenschaften … > Zeilennummerierung. Ich nehme gern jede Zeile und nicht nur jede fünfte, weil ich daran sofort erkenne, ob unten eine fehlt.

Regeln für den Buchsatz

Hier ist noch mal der Link zu Zimmers Anleitung: Feinkorrektur.
Ich arbeite mit aktivierten Hilfszeichen wie oben beschrieben.
Für mich habe ich folgende Checkliste zusammengestellt:

  1. Fehlt eine Leerzeile? Muss ich eher aufblähen oder kürzen?
    2.Gibt es noch Gassen oder Löcher, die beseitigt werden müssen?
  2. Ist die letzte Zeile des Absatzes zu lang oder zu kurz?
  3. Sind die Trennungen irreführend? Sind es zu viele Trennungen nacheinander? Befindet sich eine Trennung am Seitenende?

Nächster Durchgang mit der „Darstellung wie Ausdruck, ohne Hilfszeichen“:

  1. Gibt es ungewollte Binnenreime an Anfang oder Ende der Zeile?
  2. Sind Gedankenstriche oder Punkte am Anfang der Zeile?
  3. Suche nach .«, (kann sich durch die vielen Änderungen einschleichen.)
  4. Steht rechts eine Zeile über?

Arbeitsablauf

  1. Begonnen habe ich mit einem neuen Projekt aus einer Vorlage, die bereits für BoD 12×19 formatiert ist.
  2. Danach wäre es klug, sich für Schriftart- und -größe sowie die Zeilenhöhe zu entscheiden und alles so abzustimmen, dass man bei 30-40 Zeilen pro Seite rauskommt.
  3. Die Grundlinien müssen ausgerichtet werden. Zwei Seiten Probedruck gegens Licht halten!
  4. Dann ist es mE am besten, in zwei Durchgängen Seite für Seite vorzugehen und nicht etwa einzelne Arbeitsschritte aufs Gesamtdokument anzuwenden, weil sich mit jeder Änderung der nachfolgende Text verschiebt. Ich habe es allerdings nacheinander gemacht und daher das Gefühl, immer wieder von vorne angefangen zu haben.
  5. Natürlich folgt noch ein Prüfgang. Und noch einer. Und noch einer. Auf die überstehenden Enden habe ich im letzten Durchgang noch mal ein Auge geworfen.
  6. Das Inhaltsverzeichnis sollte man erst ganz am Ende sperren, es muss auf jeden Fall beim Druck aktuell sein.
  7. Ligaturen und Mediävalziffern habe ich ganz am Ende eingebracht. EB Garamond verfügt über Mediävalziffern, Garamond nicht.

OHNE GEWÄHR! Ich halte das hier eigentlich für mich fest, damit ich es beim nächsten Mal nachlesen kann, wenn ich wieder alles vergessen habe.

* Ich habe mich noch einmal umentschieden und es hat nicht viel aufgetragen. Ob die Formel so stimmt, bin ich mir nicht mehr sicher. Sie funktionierte auf Anhieb für mehrzeilige Überschriften. Bei einzeiligen Überschriften waren die Zeilen minimal verrutscht. Ich habe noch einmal den Faktor abgezogen und dann passte es für die einzeiligen Überschriften, aber nicht für die mehrzeiligen. Mein Buch ist also nicht perfekt. :D

Habe ich alles richtig gemacht? Nein!

Habe ich alles richtig gemacht? Nein!

Im Augenblick könnte ich schon wieder plärren. Es hatte sich so gut angefühlt, als ich endlich auf den Button klickte und den Vertrag mit BoD abschloss, den Druck in Auftrag gab. Aber ich hätte wirklich einen Probedruck machen sollen. Vorher. Ich habe darauf verzichtet, weil ich den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht habe und gleich nach dem Satz mit der ersten Satzdatei – und hallo, ich habe das zum ersten Mal gemacht! – das Printcover beauftragt habe. Ich hatte so ein enormes Empfinden von Zeitdruck, obwohl da gar keiner ist. Jetzt habe ich welchen, weil ich das geplante Erscheinungsdatum angekündigt habe. -.-

Bevor ich aufs Knöpfchen drückte, war ich so etwas von unsicher. Ich hatte tausend Fragen. Ob Garamond in Schriftgröße 14 zu groß ist beispielsweise. So etwas muss ich sehen, wenn ich das Ding in der Hand habe. Immerhin bin ich schon froh, die Empfehlung in der Anleitung gefunden zu haben, überhaupt diese Schriftart zu wählen. Ich habe alles mögliche gefragt. Und als ich dann endlich alles hochgeladen hatte, die letzten Fehler im Cover behoben waren, da wollte ich einfach keinen Probedruck. Weil: Wenn dabei herauskäme, dass ich etwas ändern muss und zwar so gravierend, dass ich das Cover in anderem Format brauche, dann kaufe ich das Ding noch mal. -.-

Hinterher bekam ich tolle Tipps, wo man sich in Sachen Buchsatz belesen kann und was für Programme man braucht – nein, ich hatte keine Lust, mich in weitere Programme einzuarbeiten. Ich habe mich auf Papyrus und die Anleitung seitens BoD verlassen. Ich bin sicher nicht der erste, der dabei Fehler macht. Eine Anthologie habe ich hier, die hatte ich billiger bekommen, weil das Inhaltsverzeichnis falsche Seitenzahlen anzeigt. Die Geschichten macht das nicht schlechter, nur den Gesamteindruck und so mancher zieht dafür mal eben nen Stern ab.

Und jetzt habe ich eben doch einen Probedruck beauftragt, weil mir die Sache keine Ruhe lässt. Aber nicht die Nummer mit den 249,- EUR, sondern den Krempel als „Fun“ Projekt für 0,00 EUR hochgeladen, eigenhändig einen anderen Barcode hoffentlich sauber genug reingebastelt und jetzt warte ich, bis ich das Ding drucken lassen kann. Damit sollte ich einen kleinen Zeitvorsprung haben. Das hätte ich mal sofort als erstes machen müssen. Aber wenn mein Hirn auf Hochtouren läuft, dann hat es leider manchmal Aussetzer.

Notfalls muss ich alles überarbeiten und für eine Neuauflage ein neues Cover kaufen. Beim nächsten Mal mache ich zuerst ein Fun-Projekt und weite das dann zu einem richtigen Projekt aus. Dass das möglich ist, habe ich eben erst gelesen.^^

SGZ 54 FEST

SGZ 54 FEST

Nach ganz fest kommt ganz lose
Handwerker wissen das: Zieht man eine Schraube zu fest an, dreht sie sich plötzlich wieder schneller und greift nicht mehr. Dann ist das Gewinde hin. Bei den meisten der heutigen Schrauben wird jedoch zuerst der Kopf matschig, also das Kreuz bzw. der Schlitz für den Schraubendreher hobelt sich ab.
Deshalb muss man bei aller gebotenen Kraft auch Feingefühl walten lassen.

Nicht anders verhält es sich auch beim Schreibhandwerk: Man muss erst lernen, alle zur Verfügung stehenden Techniken richtig zu dosieren.
Mit jeder Textkritik lernt man, mit welcher Menge an Füllwörtern und Adjektiven man über die Stränge schlägt und irgendwo dazwischen wird es wohl gut sein. Auch zwischen Zeigen und Erzählen (Show don’t tell) gibt es ein Gleichgewicht. Man kann es in beide Richtungen übertreiben.
Die persönliche Mischung macht den eigenen Stil aus.
Zu wenig Spannungselemente machen den Text langweilig, zu viele davon jagen den Leser durch die Geschichte – beim Thriller ist das erwünscht, bei Fantasy nicht. Es kommt also auch aufs Genre (und auf die jeweilige Zielgruppe) an. Liebesschwüre sind im Krimi fehl am Platz wie Pistolen im Liebesroman – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Fühle ich mich bei Kurzgeschichten (nach fünfzehn Jahren Übung) relativ sicher, so bin ich beim Schreiben von Romanen noch blutiger Anfänger. Und das heißt noch lange nicht, dass ich eine Geschichte zum Wettbewerb schicke und sofort gewinne. Es war mir ein Fest, als ich es letztes Jahr auf eine Longlist schaffte. Mein Text war (bei vergleichsweise wenig Einreichungen) in der engeren Auswahl, wurde aber nicht gedruckt. Trotzdem gab und gibt mir das eine gehörige Portion Selbstsicherheit.
Bei Romanen habe ich jetzt gerade das Gefühl, mich mit dem Handwerkszeug vertraut gemacht zu haben. Wie man eine Geschichte plant, wie man sich selbst organisiert und so weiter. Und das, nachdem ich bereits über drei Jahre hinweg meinen ersten Entwurf meines ersten Romans geschrieben habe.
Was es heißt, zu überarbeiten, erfahre ich gerade. Ich will nicht wissen, wie lange so eine Überarbeitung dauert.
Für mich unvorstellbar, innerhalb eines Monats einen Roman zu schreiben und zu veröffentlichen. Wenn ich weiß, was ich schreiben soll, etwa weil mir jemand diktiert, kann ich sicher innerhalb von drei Monaten alles abtippen, das habe ich während des letzten NaNoWriMo festgestellt. Da hatte die Geschichte drei Jahre Zeit gehabt, in mir zu reifen.

Als ich mit stolzgeschwellter Brust meine ersten Entwürfe meiner ersten Kapitel meinen Testlesern zeigte, so haben die mich sehr schnel gebremst, weil ich zu sehr durch die Handlung hetzte. Damals hatte ich überhaupt noch kein Gefühl für das richtige Erzähltempo. Ich hatte angenommen, ein Roman besteht aus einer Abfolge von Kurzgeschichten. So ist es nicht.

Ein Roman ist tiefer und breiter angelegt als eine Kurzgeschichte.
Man erfährt viel mehr über die Figuren, aber auch über deren Wahrnehmungen, ihre Empfindungen und Gedanken. Alles bekommt mehr Raum, man erzählt ausführlicher.
Und ich glaube, in Kurzgeschichten kann man getrost vernachlässigen, was Leute tun, während sie sich unterhalten. Man schreibt es nur dann hin, wenn es für die Handlung relevant ist. Unterhalten sich Mutter und Sohn, während sie den Abwasch erledigt und er abtrocknet, dann wird das höchstens in einem Halbsatz erwähnt. Aber es wird nicht jeder Topf und jede Pfanne ins Bild gebracht. Ich halte das für einen relevanten Unterschied.
Zur Zeit experimentiere ich bei meinem zweiten Roman mit dieser Rahmenhandlung, die mir in meinem ersten Roman offenbar häufig fehlt. Ich schreibe sehr dialoglastig und diese Dialoge sind stellenweise sehr blank. Da sind gerade mal Zuordnungen der Sprecher, die aber auch nicht so wirklich wichtig sind. Meistens tun diese Leute einfach nichts, als sich zu unterhalten. Das ist sicher ein Mangel, den ich noch beheben muss.

So schaut es gegenwärtig in meinem Werkzeugkasten aus. Ziemlich unsortiert, ganz gegen meine sonstige Gewohnheit.

Wörter: 621

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