Nachdem ich ein halbes Jahr meinen ganz persönlichen Lockdown „genossen“ habe, während dem ich viel im Bett lag, war ich gestern mit meinem Rolli zu meiner ersten Ausfahrt unterwegs, die man wirklich unter Freizeit verbuchen kann. Alles andere waren Arzttermine oder Probefahrten im Nahbereich zum Friseur oder ins Einkaufszentrum.
Natürlich war ich nach den anderthalb Stunden so erschossen, dass ich mich bis zum Abend hinlegen musste. Aber es hat sich gelohnt, ich bin froh um die Erfahrung.
Neujahr 2024 war ich das letzte Mal am Außenmühlenteich. Ich schwitzte Blut und Wasser, aber ich schaffte es, mit der Gruppe mitzuhalten und einmal um den See herum. Das sind von meiner Wohnung aus 4,5km, die man laut Google zu Fuß innerhalb von einer Stunde und 10 Minuten schaffen sollte. Wir wissen alle, Google berechnet das Tempo sehr sportlich …
Nachdem ich im letzten Jahr rapide abgebaut hatte, vor allem ab Juli, als ich anfing, Sport zu machen, um abzunehmen, schaffe ich derzeit so 200-300 Meter und brauche dafür ne Viertelstunde.
Dieses Jahr war nichts mit Neujahrsspaziergang. Aber so gar nicht. Nicht mal im Garten.
Jetzt mit dem Rolli bot sich mir dieser Anblick:

Tatsächlich hatte ich befürchtet, den See mit dem E-Rolli nicht ganz umrunden zu können. Es gab eine Stelle, die mir Sorgen bereitete. Dort führt der Weg über einen Holzsteg.
Mir war nicht deutlich in Erinnerung, ob dieser Steg breit genug sein würde. Für einen handelsüblichen Kinderwagen reicht es.
Auch ging ich davon aus, dass es eventuell rutschig sein könnte, da ich zu Fuß dort auch schon immer Beklemmungen hatte, vor allem, wenn es feucht ist. Und es war ja Glatteis angesagt.
Dazu kommt noch das hohe Gesamtgewicht – der Rolli wiegt ja auch einiges.
Es kam dann anders. Das hier ist die Route, die ich zurückgelegt habe:


An der Geschwindigkeit sieht man deutlich, wo das Kopfsteinpflaster ist (gelb).
Meine Herzfrequenz ist eigentlich durchgehend so hoch, wenn ich im Rolli ordnungsgemäß sitze mit den Füßen auf den Fußstützen. Ich gehe von einer orthostatischen Hypertonie aus.
Aber zurück zu der Stelle, an der ich kehrt machen musste: Ich bin heilfroh, dass ich noch kehrtmachen konnte!
Was ich nämlich völlig vergessen hatte, war, wie steil es dort bergab geht, bevor man überhaupt zu der Stelle mit dem Holzsteg runterkommt.
„Größtenteils flach“ nennt Google das.^^
Ich habe unterwegs einige kopfsteingepflasterte Rinnen überquert, aber diese am Beginn des Gefälles ließ mich auf dem doch recht sandigen* Boden rutschen, sodass mein Rolli nicht vorwärts, sondern plötzlich zur Seite in Richtung der Böschung fuhr!
Und an der Böschung gehts dann abwärts.
Natürlich hab ich vor Schreck schnell den Joystick losgelassen, und das führt dann zur abrupten Bremsung.
Danach hing das eine Rad wohl noch in der Rinne, ich stand quer zum Hang, und das andere drehte durch.
Ich lenkte nach rechts und versuchte, rückwärts wieder hoch zu fahren, was gar nicht so einfach ist, wenn man durch die Drehung die Orientierung verloren hat und nicht sieht, wo man hinfährt. Und das ohne Begleitperson ist halt eher suboptimal. Entsprechend steckte ich fest.

*Also ich meine, das ist kein Dünenweg dort, das ist schon ordentlich fest, dass man da mit Fahrrad oder Kinderwagen etc. fahren kann. Mit der Strecke bis dorthin hatte ich auch mit meinen Reifen keine Probleme. Nur die Kombination aus Rinne, Gefälle und Untergrund wurde mir zum Verhängnis.
Zum Glück war ich nicht wirklich alleine, denn dort gehen ja auch andere Leute spazieren. Wenn man eine sichtbare Behinderung hat, gibt es unglaublich hilfsbereite Menschen.
Ein netter Herr hat mir angeboten, von hinten zu ziehen, und während ich noch drüber nachdachte, packte er auch schon zu.
Natürlich bewegt sich der Stuhl keinen Millimeter, wenn ich nicht auch Gas gebe währenddessen.
Zusammen schafften wir es aber und ich war dann wirklich sehr erleichtert und überaus dankbar.
Wäre ich allein gewesen, hätte ich das Problem sicher lösen können, indem ich aufstehe und den Rolli ohne mich drin bewege. Dann hat der Motor ja mehr Schmackes.
So habe ich also letztlich 4,24 km zurückgelegt mit 42 m Steigung, in der Apotheke schnell noch was abholen inklusive.
Ende gut, alles gut. :D

Zum Auftakt dieses Abenteuers hatte ich auch gleich meinen ersten Unfall mit dem Rolli:
Mir ist das Band, das dafür sorgen soll, dass man die Füße nicht zu weit hinten abstellt, wo sie mit den Vorderrädern in Kontakt kommen (Lieferant dazu: „Das ist zur Sicherheit, aber das brauchen Sie nicht, das nervt nur.“) – dieses Band hat sich gelöst und ist mir unter die Räder gekommen.
Ich hab nur ein furchtbares Geräusch gehört, als wäre ich über etwas drübergefahren, das ich mitschleife, sah aber nichts und vorher hatte ich auch nichts gesehen, sonst wäre ich ja ausgewichen.
Also bin ich aufgestanden, um nachzusehen – zum Glück kann ich das! – und das Rätsel löste sich.
Das Ergebnis ist ein kaputtes Band. Ich kann das so nicht mehr verwenden.
Das Sanitätshaus wollte sich ohnehin noch mal bei mir melden. Ich hab vergessen, weswegen.
Euer Ingo S. Anders

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