Ableismus #diverserdonnerstag

Ableismus #diverserdonnerstag

Für Menschen mit Behinderung [externer Link] stellt Ableismus [externer Link] eine Form von Diskriminierung dar. Dabei wird eine Person auf die Merkmale reduziert, die sie vom vermeintlichen Normalzustand unterscheiden.

Vorübergehend benötigte ich Unterarmgehstützen und habe in dieser Zeit Erfahrungen gemacht, die ich in meinem Alltag normalerweise nicht mache, da ich eine nicht-sichtbare Behinderung habe.

Persönliche Erfahrungen

Beispiele für positive Diskriminierung

  • Im Bus machten sehr viele Leute unaufgefordert einen Sitzplatz frei.
  • Türen wurden mir aufgehalten, die ich sonst selbst öffnen muss.

Beispiele für negative Diskriminierung

  • Bei einem Arztbesuch aufgrund akuter Beschwerden wurde mir die Untersuchung verweigert mit der Begründung, das dauere mit den Krücken zu lange. Ich sollte später wiederkommen, wenn ich sie nicht mehr brauche.
  • In einer anderen Praxis wunderte man sich, warum ich diese überhaupt aufsuchte, da sie nicht barrierefrei erreichbar war. (Es war die ausgewiesene Vertretung meiner Hausarztpraxis.)
  • In einem Supermarkt wurde ich an der Kasse gefragt, ob ich nicht jemand anderen zum Einkaufen schicken könne.
  • Eine Frau im Bus wollte mich dazu nötigen, mich an ihr abzustützen, obwohl ich mich sehr gut an der Haltestange festhalten konnte.

Ich kann nur für mich sprechen und ich persönlich mag übergriffige Hilfsangebote gar nicht.
Wenn ich mit meinem Hackenporsche, in der anderen Hand einen unhandlichen Gegenstand, mit einer Tür kämpfe, gucken die Leute in der Regel auch nur untätig zu. Die wenigsten helfen. In solchen Situationen fände ich es eigentlich höflich, öfter mal einander die Tür aufzuhalten. Auch mit Kinderwagen, Koffern etc.
Weil es aber so ist, dass man einander üblicherweise nicht hilft, finde ich es diskriminierend, sobald ich auf Krücken gehe, mir die Fähigkeit abzusprechen, selbst eine Tür zu öffnen. Das, was ich noch alleine kann, möchte ich auch selbstständig tun dürfen.

Nicht-sichtbare Behinderung

Über meine Erfahrungen mit Depressionen hatte ich bereits berichtet, Artikel über Manie und Psychose werden folgen.
Bei nicht-sichtbaren Behinderungen ist es meiner Erfahrung nach für Außenstehende schwierig, diese zu fassen, weil man eben nichts sehen kann. Es scheint einfacher, sich vorzustellen und nachzuvollziehen, wie man wohl damit umginge, wenn man das eigene Knie vorübergehend nicht beugen darf und daher die oben erwähnten Unterarmgehstützen benötigt.

Beispiele für negative Diskriminierung

  • Ich wurde sowohl über- als auch unterfordert zu einem Zeitpunkt, als ich meine eigenen Bedürfnisse noch gar nicht benennen konnte, weil mein erster Kontakt mit der Psychiatrie, die (damals falsche) Diagnose ganz frisch war. Die einen behandelten mich wie ein rohes Ei, die anderen forderten, ich solle mich zusammenreißen; am Arbeitsplatz wies man mir keine Aufgaben mehr zu, um mich zu schonen. Ich saß also meine Zeit ab und litt furchtbar unter Selbstzweifeln und Grübeleien darüber, warum man mir plötzlich nichts mehr zutraute.
  • Bei Gesprächen, die in Unkenntnis meiner Erkrankung völlig akzeptiert waren, höre ich immer wieder: „Ich bin nicht dein Therapeut“ und „Du brauchst professionelle Hilfe.“ Es wurde gar nicht gesehen, dass ich die bereits in Anspruch nahm. Ich ging und gehe regelmäßig zu einer Psychiaterin, viele Jahre nutzte ich auch die Angebote der ambulanten Sozialtherapie (ASP), ich machte sogar eine Ausbildung zum zertifizierten Genesungsbegleiter (EX-IN). Vor allem aber nutzte ich die Zeit, um durch ausgiebige Selbstbeobachtung mit meiner Erkrankung leben zu lernen. Das ist meiner Meinung nach das Wichtigste bei einer chronischen Erkrankung. Denn es gibt kein Nachher, das so ist wie das Vorher. Insofern finde ich auch die Bezeichnung „Schnupfen im Kopf“ für psychiatrische Erkrankungen gefährlich bagatellisierend.

Beispiele für positive Diskriminierung

  • Unheimlich viele berichten von eigenen Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen oder von solchen aus dem engeren Umfeld, sobald ich meine offenbare.
  • Wenn ich Unzufriedenheit mit meiner Leistung, die hinter der von voll Berufstätigen in der Freizeit erbrachten zurückbleibt, ausdrücke, werde ich für meine dennoch gelobt. Selbst wenn ich mir ein neues, höheres Ziel suche, soll ich zufrieden sein mit dem, das ich bereits erreicht habe. Das begegnet mir ganz häufig, auch und gerade bei „professionellen“ Helfern. Warum darf ich mich nicht herausfordern?
Schwarze Schrift auf weißem Grund: #diverserdonnerstag Menschen mit Behinderung Als Behinderung bezeichnet man eine dauerhafte und gravierende Beeinträchtigung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilhabe einer Person. (Wikipedia) Unten rechts Ingos Markenzeichen: Vogel auf Schildkröte

Heute kann ich die Frage beantworten, wie ein Arbeitsplatz auf meine Bedürfnisse zugeschnitten sein muss, vor 9 Jahren konnte ich das nicht. Ich weiß, dass es nicht nur Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) gibt, sondern auch geschützte Arbeitsplätze, Inklusionsbetriebe und neben anderen Angeboten zur Teilhabe eben auch die Möglichkeit, im ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten. Was ich nicht wusste: Um in einer WfbM zu arbeiten, muss man erstmal werkstattfähig sein. Das bin ich laut einer Untersuchung vor fünf Jahren, als ich eine solche Tätigkeit für mich in Betracht zog, noch nicht gewesen. Auf der anderen Seite kann ich durchaus einen Minijob auf dem ersten Arbeitsmarkt ausüben oder mich selbstständig machen.

Noch eine Bitte:
Wenn ihr euch im Gespräch mit mir überfordert fühlt, dann sagt das einfach, anstatt mich an ohnehin kaum verfügbare Therapeuten zu verweisen, die mir anders als meine Phasenprophylaxe nicht helfen können.

Umgang damit in meinen Geschichten

Ich mache mich nicht davon frei, selbst Vorurteilen aufgesessen zu sein, da Behinderungen so mannigfaltig sind, dass ich gar nicht alle kennen kann. Natürlich habe ich in einem meiner Entwürfe einen Rollstuhlfahrer drin, eben um Diversität reinzubringen. Genau das finde ich auf diese Weise nach Lektüre der anderen Beiträge zum #diverserdonnerstag mittlerweile falsch, da die Figur ansonsten keinerlei Funktion hat, sieht man von einer kleinen Statistenrolle ab. Deshalb werde ich diesen Aspekt streichen, da es in der Geschichte ansonsten nicht um Behinderungen geht. Ich würde einen solchen Exotenstatus für Menschen mit bipolarer Störung oder Trans*personen auch nicht wollen.

Was ich gemacht habe in Der Genesungsbegleiter: Ich habe den Figuren mit Depression und bipolarer Störung jeweils eine Hauptrolle gegönnt. So bleibt genug Raum, das Thema vielschichtig zu betrachten, auch wenn es sich um kein Sachbuch handelt. Man erlebt Mark und Lena in verschiedenen Situationen und bekommt so ein vollständigeres Bild, als seien sie nur irgendwo am Rande durchs Bild gehuscht. Trotzdem bleiben es einzelne Figuren, durch die möglicherweise bei den Leser:innen das Bild einer ganzen Personengruppe geprägt wird.

Ein Text von mir zum Thema „Leben mit Behinderung“ wird in einer Anthologie erscheinen. Noch warte ich auf den Autorenvertrag. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Das sagen die anderen

Besonders empfehlen möchte ich den Blogartikel von amaliazeichnerin [externer Link].

Save the date

Am 5. Mai ist Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung [externer Link].

Der Hashtag #diverserdonnerstag wurde ins Leben gerufen von equalwritesde.

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Rezension: Einmal kurz die Welt retten (Jennifer B. Wind [Hrsg.])

Rezension: Einmal kurz die Welt retten (Jennifer B. Wind [Hrsg.])

Einmal kurz die Welt retten von Jennifer B. Wind (Hrsg.) hatte ich bereits mit meinem Ersteindruck vorgestellt und hier kommt die versprochene Rezension.

Einmal kurz die Welt retten, Jennifer B. Wind (Hrsg.)

Ich habe ein Printexemplar vom Gmeiner-Verlag erhalten, gerade einen Tag vor der Veröffentlichung am 9. März, für das ich mich bedanke. Eine Erkältung hat dazu beigetragen, dass ich für die Lektüre länger gebraucht habe als gedacht.

Die meisten der Autor:innen rannten bei mir offene Türen ein, da ich noch die Hoffnung habe, dass wir etwas tun könnten, wenn wir es nur wollten. Bis auf eine Ausnahme fühlte ich mich gut unterhalten und habe die Geschichten sehr gerne gelesen.

Weiße Schrift auf schwarzem Grund: EINE MINUTE VOR ZWÖLF Die Welt steht vor dem Kollaps. Den führenden Wissenschaftlern zufolge werden im Jahr 2052 wichtige Ressourcen aufgebraucht und große Teile der Welt aufgrund des Klimawandels unbewohnbar sein. Milliarden Menschen drohen Obdachlosigkeit, Hunger und Armut. 24 dramatische, sarkastische, skurrile und tiefsinnige Kurzgeschichten deutschsprachiger Topautorinnen und -autoren widmen sich den drängendsten Themen unserer Zeit und regen zum Nachdenken an. Sie sind ein Appell an uns alle: Der Kampf um das Morgen muss heute beginnen!

24 Texte die unterhalten, zum Nachdenken anregen und aufzeigen, wie eine Wende zum Guten (noch) möglich sein kann!

Mit Geschichten von Dieter Aurass, Raoul Biltgen, Veronika A. Grager, Anne Grießer, Petra K. Gungl, Reinhard Kleindl, Regine Kölpin, Beatrix Klamlovsky, Uwe Laub, Mari März, Günter Neuwirth, Regina Schleheck, Claudia Schmid, Ursula Schmid-Spreer, Ingrid Schmitz, Alex Thomas, Heidi Troi, Eva Maria Nielsen, Fenna Williams, Barbara Wimmer, Janet Zentel, und Jennifer B. Wind
Einmal kurz die Welt retten, Jennifer B. Wind (Hrsg), Buchrückseite

Die Anthologie umfasst 24 Geschichten, die in 12 Kapitel gegliedert sind, dazu ein Vor- und ein Nachwort der Herausgeberin sowie eine Danksagung und am Schluss die Vitae der einzelnen Autor:innen.

Alle Geschichten spielen in der Zukunft, die meisten im Jahr 2052 in einer utopischen oder dystopischen Welt, in der sich das Leben auf der Erde auf drastische Weise verändert hat.

Bevor es mit den Geschichten losgeht, überrascht „Einmal kurz die Welt retten“ mit einem Songtext. An dieser Stelle habe ich mich gefragt, ob man den Song im ebook vielleicht hören kann?

Zu jeder Geschichte gibt es nicht nur ein kurzes Vorwort, sondern auch jeweils Hintergrundfakten zur Geschichte, teilweise mit Fußnoten, die u.a. Weblinks zum nachlesen enthalten.
Ein weiteres Detail sind liebevoll gestaltete Illustrationen und Szenentrenner.

Cybergangster und sprechende Toaster

Beim Kapitel „Gefährliche Cyberwelt“ war ich skeptisch, da ich sehr technikaffin bin und Menschen, die aus Angst ihre Kamera am Laptop oder gar am Handy das Mikrofon abkleben, bisher als Psychotiker bzw. Opfer von Verschwörungstheoretikern angesehen und gedanklich schon mit einem Aluhut ausgestattet habe. Dennoch konnten mich Barbara Wimmer und Reinhard Kleindl überzeugen. Es ist gut so, dass ich keine Alexa habe. Jetzt muss ich nur noch prüfen, ob sie nicht in meinem Fernseher schon längst eingebaut ist …

Zu den einzelnen Geschichten

(Keine vollständige Inhaltszusammenfassung.)

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Own Voices #diverserdonnerstag

Own Voices #diverserdonnerstag

Als Own Voices („eigene Stimmen“) bezeichnet man Menschen, die aus eigener Erfahrung schreiben. Sie tragen die Merkmale ihrer Figuren selbst, haben etwa eine Krankheit, Behinderung, sexuelle Identität oder sind Angehörige und die Figur in der Geschichte ist ebenfalls angehörig. Üblicherweise sind marginalisierte Gruppen gemeint, aber nicht immer. Dabei kann die Geschichte fiktiv sein, vor allem im Fantasy-Bereich.

Begriffserklärung diesmal von mir und nicht aus der Wiki. Merkt man, oder?

Die Verlegerinnen Grit Richter und Ingrid Pointecker unterhalten sich in diesem Podcast (PhanLita, Folge 8) über das Thema Own Voices und erklären eingangs den Begriff.

Warum sind Own Voices wichtig?

Klischees in Geschichten prägen das Bild von Personengruppen in der Öffentlichkeit. Klischees landen vermehrt in Geschichten, wenn Autor:innen ihrer Fantasie freien Lauf lassen – das ist ja ihr Job! – und Vermutungen darüber anstellen, wie das Leben einer Figur im Alltag sein könnte. Das ist Bestandteil der Figurenentwicklung. Gehe ich dabei ausschließlich von mir aus (um nicht falsch zu machen), sind meine Figuren alle weiß, psychisch krank, berentet, schwul, trans*, männlich und haben eine Behinderung. Etwas einseitig, oder?

Denke ich mir einfach etwas aus, weil ich das vielleicht irgendwo schon so ähnlich gelesen oder in einem Film gesehen habe und hake nicht weiter nach (um mir Arbeit zu sparen), dann entsteht ein falsches Bild. Ich müsste also beispielsweise recherchieren, um jemanden in einem Beruf arbeiten zu lassen, den ich selbst nie ausgeübt habe – warum also nicht auch hinsichtlich anderer Lebenserfahrungen?

Weil wir Menschen Geschichten gerne glauben wollen, glauben wir auch, dass Polizisten und Pathologen ständig die Regeln brechen, um die Kriminellen zu überführen. Zumindest bis zum Ende des Films.

Bin ich erst Own Voice, wenn ich meine Erfahrung publik mache?

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SGZ 70 RASEN

SGZ 70 RASEN

Brühwarme Drabbles – wer sich für meinen kursiv markierten Gedankensalat nicht interessiert, scrollt einfach runter.
Die Minuten rasen dahin, während die Zeilen, die ich schreibe, eher kriechen. Zu oft verwerfe ich erdachte Richtungen, in die die Geschichte gehen könnte, schreibe Sätze nicht, führe sie anders fort.
Wäre ich jetzt wirklich in Eile aufgrund eines anstehenden Termins, könnte ich das jetzt als »fertig« erklären und einfach nicht weiterschreiben. Aber ist ein Dreizeiler eine Geschichte? Nein, nicht wirklich. Selbst für ein Drabble fehlen mir noch einige Wörter, denn das muss aus exakt hundert Wörtern bestehen.
Reicht überhaupt eine reine Innenschau, ohne, dass etwas passiert? Gleich wird etwas passieren, dann stehe ich auf und gehe spazieren. Ende Geschichte.

Drabble fertig, aber richtig, richtig schlecht. Wenn man jetzt nur den ersten Abschnitt zählt. Und mit Rasen oder rasen hat der Text auch nur entfernt zu tun. Wie man merkt, bin ich wirklich im Schreibfluss und rotze jeden Mist raus.
Mal überlegen, ob mir noch was Gescheites einfällt.
»Hach, ist die Wiese schön grün.« Kennt ihr den? Loriot. Klassiker. Muss man gesehen haben. Meine Drabbles muss man nicht gelesen haben. Vielleicht sind sie so scheiße, dass sie schon wieder geil sind. Aber das steht mir nicht zu, zu beurteilen. Das muss das Publikum entscheiden. Noch vier Wörter. Ende.

Mal sehen, wie viele Drabbles ich schaffe. Rasen. Auf Rasen konzentrieren. Rasen nennt man auch Wiese. Auf eine Wiese kann man sich legen. Eine schöne Wiese mit Gänseblümchen. Ohne Hundekacke bitte. Mit Picknickdecke und Love Interest. Picknick mit Hund ist lustig. Der benimmt sich dann wie eine Katze und läuft über den »Tisch«, schnüffelt hier und da, klaut die Wurst und so. Es sei denn, der ist gut erzogen. Dann benimmt der sich natürlich einwandfrei. Gell. Das tun sie doch alle. Vor allem die, die nur spielen wollen. Ich könnte also eine Geschichte über ein Picknick auf dem Rasen schreiben.

Gute Idee. Picknick auf dem kurz geschorenen Rasen im Vorgarten eines feindlich gesinnten Nachbarn gefällt mir noch besser. Das bietet mehr Konfliktpotenzial als der Hund, aber der kann gern bleiben. Hunde sind drollig.
Der Nachbar also. Ich hab so eine Postkarte mit zwei Farmern, die mit Schrotflinten bewaffnet sind und richtig übel dreinschauen. Ich weiß den Spruch dazu nicht mehr, verdammt. Der war richtig gut, der Spruch. »Der Nachbar bleibt immer«, oder so. Könnte man ja auch als Titel nehmen für eine Geschichte. Dann hätte ich mal wieder eine mit Titel. Aber stört wohl die wenigsten meiner Leser, ihr Fehlen.

Paar mit Hund picknickt auf dem ondulierten Vorgartenrasen des griesgrämigen Nachbarn, der eben noch mit der Nagelschere die Rasenkanten begradigt hat. Oder so. Ja, das wird lustig. Und dann laufen lassen.
Sie trägt ein rosa Kleid und weißen Sommerhut, er blaues Hemd und Jeans. Zu kitschig. Er trägt Anzug. Echt, und dann auf die Wiese? Wenn er selbst in der Nachbarschaft wohnt, holt er sich doch bestimmt zu Hause was bequemeres. Badesachen? Nee, zu nackelig. Kleid und T-Shirt, vielleicht Muscle-Shirt zu Jeans. Kurze Jeans.
Fünftes Drabble übrigens. Ich brauche also fünf Sechstel Schrott im Kopf für eine Story, die funzt.

Amanda setzte sich vorsichtig auf die Picknickdecke, die Jim auf dem frisch ondulierten Rasen platziert hatte. Sie achtete darauf, ihr hübsches rosafarbenes Kleid nicht zu versauen, denn ein grünes Freestyle-Muster würde nicht dazu passen.
Jim kniete vor ihr und entkorkte gerade den Champagner. Würde er sie heute fragen? Aber doch nicht in Muscle-Shirt und Jeans-Shorts? Obwohl, zum Anbeißen sah er schon aus, wie er ihr lachend die Schüssel mit den Erdbeeren reichte, damit sie sich bedienen konnte.
Hoffentlich war der alte Griesgram von nebenan heute nicht da oder im Keller mit seiner Modelleisenbahn beschäftigt.
»Was fällt Ihnen ein?! Verschwinden Sie hier!«

»Herr Patzke, immer mit der Ruhe«, versuchte Jim, zu beschwichtigen. »Sie wissen doch, wir haben keinen eigenen Garten.«
»Das ist mir doch egal! Runter von meinem Grundstück!« Er trat einen Schritt näher. »Oder muss ich Ihnen Beine machen?«
»Nein, schon gut«, sagte Amanda und raffte ihr Kleid zusammen, um aufzustehen.
»Bleib sitzen, Schatz. Ich kläre das.« Er drückte ihr die Flasche in die Hand.
Der Alte bückte sich und zerrte an einer Ecke der Decke, woraufhin klirrend das Geschirr zusammenstieß.
»Herr Patzke, ich bitte Sie. Was ist es, dass Sie wollen?«
»Sind Sie schwerhörig?« Er wurde lauter. »Verpissen Sie sich von meinem Grundstück!«

»Schatz, wirklich, wir sollten gehen, Jim.« Sie begann, all ihre Habseligkeiten einzupacken.
»Amanda …«
»Wir gehen, bevor er noch die Polizei holt oder Schlimmeres passiert.«
Jim versuchte es ein letztes Mal. »Herr Patzke, wenn wir Ihnen etwas anbieten können …«
»Weg hier! Sofort!«
Amanda erhob sich, klappte den Picknickkorb zu und begann, die Decke zusammenzufalten. »Jim, hilf mir bitte mal.«
»So hab ich mir den Tag wirklich nicht vorgestellt.«
»Das macht nichts. Es ist ja nicht unsere Goldene Hochzeit oder so etwas.«
Er grinste.
»Es war einfach eine dumme Idee, hierherzukommen. Entschuldigen Sie bitte, Herr Patzke.«

Okay, das waren jetzt, meinem Anspruchsdenken nach keine richtigen Drabbles, weil ein Drabble ja eine Geschichte in exakt hundert Wörtern sein sollte und nicht irgendwelcher Text. Aber zum Messen des Verhältnisses von gedanklichem Ausschuss und brauchbarem Text ist das schon echt praktisch. Mittlerweile bin ich bei einem Verhältnis von fünf zu drei angekommen, also drei Achtel sind brauchbarer Text.
Jetzt versuche ich noch, das ganze in ein einziges Drabble zu stopfen. Zeit habe ich nicht mehr viel, aber das beflügelt mich geradezu. Was kann ich jetzt weglassen und was ist wirklich wichtig für die Story? Nicht ganz einfach. Mal sehen.

Um Amanda einen Heiratsantrag zu machen, hatte Jim sie zu einem Picknick mit Erdbeeren und Champagner eingeladen. Sie hatten es sich gerade gemütlich gemacht, da kam Fiesling Patzke von nebenan, auf dessen Rasen sie saßen und wollte sie verjagen.
»Runter von meinem Grundstück!«
Jim versuchte, mit dem alten Herrn zu reden und zu einer diplomatischen Lösung für sie alle zu finden. Vielleicht hätten sie ihm einen Gefallen tun können oder er wäre an Geld interessiert? Doch keine Chance.
Amanda hatte gleich erkannt, dass es nur die Möglichkeit gab, rasch alles einzupacken und von hier wieder zu verschwinden.
Auf gute Nachbarschaft!

Wörter: 1.000

Mir persönlich gefällt der Dreidrabbler besser, aber jetzt habe ich auch keine Zeit mehr, um noch mehr an dem fett gedruckten Drabble zu feilen.

Übrigens habe ich damit jetzt insgesamt die 20.000 Wörter überschritten.