SGZ 81 TRICK

SGZ 81 TRICK

»Gibt es da einen Trick?«
»Wobei?«
»Mit dem Stuhl.«
»Hä?«
»Wie hast du den Stuhl so eingestellt?«
Schulterzucken. »Ich hab nix gemacht.«
»Ja, aber jetzt ist der anders als eben, bevor du draufgesessen hast.«
»Was ist denn anders?«
»Kann ich nicht sagen. Sitzt sich einfach angenehmer.«
»Tja, Trick 17.« Grinsen.

Wörter: 50

SGZ 80 TANZEN

SGZ 80 TANZEN

Das vierbeinige Tier
Noch nie hatte ich mit einem Mann getanzt. Bisher hatte ich nur Frauen geführt. Genau genommen nur eine, meine beste Freundin, in dem Tanzkurs, den wir zusammen besuchten.
Und jetzt hatte ich mich auf einer Milonga auffordern lassen von einem, den ich kaum kannte. Ich wusste nur, dass er unheimlich gut aussah und mir in seiner Gegenwart die Knie weich wurden. Beim Schwimmen hatte das nichts ausgemacht, doch beim Tanzen war das etwas anderes. Wer von uns sollte denn jetzt führen? Und was, wenn ich nicht führte – ich beherrschte doch nur den Herrenpart!
Als er mich an sich heranzog, stellte ich fest, dass er nicht nur gut duftete, sondern mir offenbar auch die Entscheidung abgenommen hatte: Er führte mich.
Entspann dich! Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf seine Signale. Bald stellte ich fest, dass er entschlossen, aber nicht hartnäckig war. Sein Herz schlug ruhiger als meins, das vor Aufregung vibrierte. Schnell fanden wir einen Draht zueinander und ich konnte mich in die Musik fallen lassen, geborgen in seinen Armen. Als er dann auch schwitzte, schämte ich mich nicht mehr, dass mir die Klamotten am Leib klebten. Wir verschmolzen zu einem Wesen, das sich im Takt bewegte.
Nicht nach drei Tänzen, erst am Ende des Abends trennten wir uns.

Wörter: 213

SGZ 79 GRÜN

SGZ 79 GRÜN

Das Spinatmonster
Grün blubberte es im Topf.
»Schon wieder Spinat!«, stöhnte Florian.
»Das Spinatmonster kommt dich holen, wenn du nicht aufisst!«
»So ein Quatsch! Monster gibt es doch gar nicht.«
»Na, das werden wir ja sehen«, sagte seine Mutter. »Das Abendessen ist fertig. Sagst du deiner Schwester Bescheid?«
Lustlos stocherte Florian auf seinem Teller herum. Spiegelei und Kartoffelpüree schmeckten ihm gut, doch den Spinat brachte er nicht hinunter. Ob es doch ein Monster gab?
Nachts musste er noch einmal raus und da er schon auf war, wollte er noch etwas trinken. Auf leisen Sohlen schlich er in Richtung Küche. Da! War da etwas Grünes gewesen? Er verharrte und hielt die Luft an. Vorsichtig lugte er um die Ecke. Das Spinatmonster! Es war grün im Gesicht, trug Muttis grünes Nachthemd und machte sich über den Rest Spinat her, den er übrig gelassen hatte.
Florian stieß einen spitzen Schrei aus. »Mama!«
»Ja, mein Schatz?«, antwortete das grüne Monster. »Irgendjemand musste ja deinen Spinat aufessen.« Seine Mutter zuckte mit den Achseln.
»Ich dachte, ich dachte …«
»Du dachtest, ich bin das Spinatmonster? Ich dachte, es gibt keine Monster?« Ihr grünes Gesicht grinste. »Keine Angst, ich wasche die Maske gleich wieder ab. Ich wollte dich nicht wirklich erschrecken.«
Der Junge drückte sich an sie.
»Und es war gemein von mir, dir mit einem Monster zu drohen. Du musst nie wieder Spinat essen, wenn du nicht willst, okay?«
Er nickte.

Wörter: 235

SGZ 78 THEATER

SGZ 78 THEATER

Die Bretter, die die Welt bedeuten
So lange ich denken kann, wollte ich zum Theater. Ich wollte die Begeisterung des Publikums spüren, den Applaus aufbranden hören. In meiner Jugend wirkte ich in der Theater AG mit, schrieb sogar ein eigenes Stück, das unter meiner Regie umgesetzt wurde.
Zu großer Bekanntheit habe ich es als Darsteller nie geschafft, zu unbedeutend waren die Rollen, die mir zuteilwurden. Doch ich nannte ein kleines Theater mein eigen. Großen Umsatz haben wir nie gemacht, dafür haben wir Stücke im Programm gehabt, die bei den großen Theatern nie eine Chance gehabt hätten. Für mich war es immer mehr Liebhaberei als Geschäft.
Irgendwo ist eine Grenze. Zu lange schon brauche ich meine Ersparnisse auf. Der letzte Vorhang ist gefallen. Mir fehlt die Kraft, ihn erneut zu öffnen.

Wörter: 130

SGZ 77 KOSTEN

SGZ 77 KOSTEN

»Das wird dich etwas kosten, Mario.«
»Wie viel willst du?«
»Nicht ›Wie viel?‹. Was?«
»Okay. Was willst du, Cathrin?«
Sie richtete die Pistole auf ihn. »Dein Leben.« Ein Schuss krachte durch die Nacht. »Dreckiger Bastard.«
Für ihren Film brauchte sie einen ernst zu nehmenden Darsteller, der einen Berufskiller glaubwürdig verkörpern konnte und keine solche Witzfigur, die sich bei einem Schreckschuss einpullerte und neu eingekleidet werden musste.
»Der nächste, bitte.«
Die Szene wiederholte sich noch über dreißigmal. Die Schauspieler legten die Rolle unterschiedlich aus, doch nie war Cathrin zufrieden. Bis Alessandro kam.
»Das wird dich etwas kosten, Mario.«
Er ging hinter einem Auto in Deckung. »Was willst du, Cathrin?«
Sie richtete ihre Pistole auf ihn. »Dein Leben.«
Etwas flog zu ihr herüber und verströmte Rauch. Bevor sie wieder etwas sehen konnte, wurde sie von hinten gepackt und ein Arm legte sich um ihren Hals.
»Bist du sicher, dass du dein Leben mit mir verbringen willst?«
Cathrins Lachen ging in einen Hustenanfall über und völlig außer Atem brach sie die Szene ab. »Du bist eine Runde weiter, Alessandro.«

Wörter: 176

SGZ 76 LEUCHTTURM

SGZ 76 LEUCHTTURM

Seit fünf Jahren bin ich jetzt Leuchtturmwärterin. Anders als meine Kollegen halte ich mich an das Verbot, Touristen hineinzulassen. Ich mag sie auch nicht, diese umhertrampelnden Massen. Ich liebe das Meer und im Winter habe ich es für mich allein.
Mein Mann hat die Einsamkeit nicht ausgehalten. Er ist mit unserer Tochter in die Stadt gezogen. Ausgerechnet in die Hauptstadt. Als gebe es keine kleineren. Das ist typisch für ihn.
In meinem Leuchtturm habe ich nicht viel zu tun. Es ist ja nicht mehr wie früher, alles läuft computergestützt. Ich bin nur da, um die Maschinen am Leben zu erhalten. Ab und zu ein Kontrollgang zwischen Kabeln und Metall und fertig.
Von außen sieht der Turm noch romantisch aus wie eh und je. Wenn ich der Typ dafür wäre, könnte ich hier Gemüse anbauen und Hühner und Ziegen halten. Lieber lasse ich einmal die Woche aus dem Supermarkt liefern.
Ob es unbedingt Australien hat sein müssen, weiß ich nicht. Für mich ist ein Leuchtturm wie der andere. Weit weg von anderen Menschen.

Wörter: 172