Leben mit ME Nr. 7: Die verdammte Adrenalin-Falle!

Leben mit ME Nr. 7: Die verdammte Adrenalin-Falle!

Warum man alles daran setzen sollte, möglichst schnell RollingPEM zu beenden und wie es mir gelingt, aus der Adrenalin-Falle herauszukommen.

  1. Adrenalin ist Fluch und Segen
  2. Was spricht nun also dagegen, das einfach zu genießen und so immer weiterzumachen?
  3. Stress ist schlecht fürs Herz
  4. Raus aus der Adrenalin-Falle!
  5. Bauchatmung stimuliert Vagusnerv
  6. Psychisch anspruchsvoll
  7. Rezept für Beruhigungstee
  8. Kurzfassung

Adrenalin ist Fluch und Segen

Wer im Rettungsdienst arbeitet, weiß Geschichten zu erzählen von Menschen, die blutüberströmt und mit offenem Bruch durch die Gegend rennen und behaupten, ihnen ginge es gut. Erst wenn das Adrenalin nachlässt, brechen sie zusammen. Genau so ist es, wenn Menschen mit ME in der Überforderung sind und sich immer weiter Schaden zufügen, weil sie ihre Grenzen nicht wahrnehmen. Nur dass man es ihnen nicht ansieht.
Hintergrund ist, was auch Sportler wissen: Adrenalin mobilisiert alle Kräfte.

Für den Steinzeitmenschen im Kampf mit dem Säbelzahntiger war das schon prima und für uns ist es auch noch hilfreich, wenn wir nach einem Autounfall oder bei einem Wohnungsbrand alles daransetzen, um uns in Sicherheit zu bringen. Das kurzfristige Überschreiten unserer Grenzen sichert in solchen Momenten unser Überleben und danach kümmert man sich ja im Krankenhaus um uns.

Aber bei ME ist es lebensgefährlich, weil das Adrenalin – einmal drin in der Falle und nicht bemerkt – immer wieder ausgeschüttet wird und uns auf der Superfrau-Welle hält. Superfrau fliegt, bis sie niemand mehr ruft, um die Welt zu retten und sie sich einen kleinen Moment ausruht. Dann ist die Adrenalin-Batterie alle und unsere Superfrau fällt zu Boden wie der Roadrunner, der erst über dem Canyon merkt, dass er keinen Boden mehr unter den Füßen hat. Hört sie dann mitten im Sturz irgendwo einen Hilfeschrei, gewinnt sie wieder an Höhe und rettet weiter die Welt – nur nicht sich selbst.

Auf den Alltag übertragen sind die Hilfeschreie nicht nur der zwingend notwendige Einkauf und das Telefonat mit der Mutter, sondern auch freudige Erlebnisse wie etwa ein noch so gechillter Zoobesuch können uns in die Überforderung bringen oder darin halten und es wird wieder Adrenalin ausgeschüttet.

Meine Mutter nimmt übrigens Rücksicht, wir telefonieren nicht, sondern chatten entschleunigt. ME ist ein sehr heterogenes Beschwerdebild, anderen fällt Telefonieren sehr viel leichter als Lesen und Schreiben.

Was spricht nun also dagegen, das einfach zu genießen und so immer weiterzumachen?

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Leben mit ME Nr. 6: Hört auf, gesund zu spielen!

Leben mit ME Nr. 6: Hört auf, gesund zu spielen!

Bitte, das ist wichtig.

Lest in diesem großartigen Artikel bei visite-medizin.de, warum. (Ich bekomme nichts für die Empfehlung.)
Mazin Shanyoor hats wirklich begriffen und beschreibt die Dynamik der Fehlwahrnehmung durch Außenstehende (auch und gerade Ärzt:innen!), den Einfluss aufs Selbstbild von Patient:innen und den verzweifelten Versuch, irgendwie noch Teil der Gesellschaft zu bleiben mit den Konsequenzen für die eigene Gesundheit grandios.
Besser hätte ich es nicht ausdrücken können, Chapeau!

Das Ding mit der Krankheitseinsicht habe ich ja schon einmal durch mit der bipolaren Störung.

Ja, auch ich wollte nicht wahrhaben, dass ich – schon wieder – eine (weitere) schwere Krankheit diagnostiziert bekam. Ich sah mich in den Beschreibungen der Betroffenen überhaupt nicht wieder. Und überhaupt, der Ausdruck „betroffen“ macht mich ja erst betroffen. Doppelten Wortsinn merkste selbst, oder?

Deshalb verdrängte und verschleppte ich weiter wider besseren Wissens und das RollingPEM baute sich immer weiter auf. Ich fühlte mich kurzzeitig besser, weil das Adrenalin die Schmerzen unterdrückte – während es mir schleichend immer schlechter ging und ich weniger „leisten“ konnte.
Noch bestärkt von meiner damaligen Hausärztin rannte ich auf Krücken zweimal um den Block, um abzunehmen.

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