ich melde mich heute außer der Reihe, weil ich darum gebeten worden bin, mich zu einem Thema zu äußern, das mir tatsächlich sehr am Herzen liegt. (Den Artikel habe ich ursprünglich für schreibmehr.online verfasst, aber warum nicht auch hier teilen?)
Allerdings hat es erst auf den zweiten Blick mit Schreiben zu tun. Nämlich dann, wenn es um die Freiheit geht. Um die Freiheit, so zu schreiben, wie man möchte, und über die Themen, die einen persönlich bewegen.
Mein Gefühl dazu ist Angst. Blanke Existenzangst. Ich muss allerdings etwas ausholen.
Das ist ein Teil meiner Lebenswelt, denn das ist das, was meine Eltern mir vorgelebt haben, die sich jung kennenlernten und 42 Jahre miteinander verheiratet waren, bis mein Vater an Krebs starb. Ein heteronormatives Leben, ein Bilderbuchleben mit Haus, zwei Autos, zwei Kindern und Hund.
Ich selbst lebte hetero, heiratete im Beisein meiner Familie meinen ersten Mann und alles schien gut. Es kam aus verschiedenen Gründen, die nichts mit meinem Geschlecht zu tun hatten, zur Scheidung.
Nach Geschlechtsangleichung schwul
Eines Tages hielt ich das Versteckspiel nicht mehr aus und offenbarte, dass ich mich zu einer Geschlechtsangleichung entschieden hatte, weil ich anders nicht weiterleben konnte.
Ich spare jetzt Details aus, relevant ist hier nur: Ich änderte meinen Vornamen und meinen Geschlechtseintrag.
Nun galt ich vor dem Gesetz als Mann und die medizinische Behandlung sorgte dafür, dass meine Mitmenschen mich heute auch als Mann erkennen können.
Das Ergebnis ist, dass ich jetzt als schwul gelesen werde. Ich fühle mich in der schwulen Szene auch willkommen, weil ich dort sehr herzlich aufgenommen wurde.
Bei meiner zweiten Heirat waren meine Eltern nicht dabei, weil sie meine Einladung ausgeschlagen haben. Mein Vater hatte sich die von mir geplante Hochzeit irgendweshalb als eine Art Drag Party – so wie man den CSD in den Nachrichten sieht – vorgestellt und wollte bei so etwas nicht dabei sein. Meine Mutter wollte ihm nicht in den Rücken fallen. Ich liebe meine Eltern und das meine ich nicht nur ironisch.
Jetzt wisst ihr, warum ich etwas zwischen den Stühlen sitze, weil ich mich tatsächlich dazu entschieden habe, nicht länger so zu tun, als sei ich eine Frau und damit bewusst alle Konsequenzen eingegangen bin, die damit verbunden sind, als Mann Männer zu lieben. Andere schwule Männer haben diese Wahlmöglichkeit nicht.
Trans* Menschen haben aber auch nicht wirklich eine Wahl. Man sucht sich nicht aus, aus der Rolle zu fallen. Es ist keine Lifestyle-Frage. Es geht ums Überleben.
Meine Meinung als mehrfach marginalisierter weißer Deutscher zur gegenwärtigen politischen Lage
Well, ich bin also ein herzschwacher schwuler behinderter pflegebedürftiger Rollstuhlfahrer, der trans* ist und sich zu den Tönen aus Amerika äußern soll, von denen er nur in groben Zügen was mitgekriegt hat, weil er son Mist nicht verträgt.
Ok, aber gerne: • Ich finds kacke, wenn trans* Frauen vom Sport ausgeschlossen werden, nur weil sie trans* sind oder – schlimmer noch – man ihnen ihr Frausein aberkennt und sie als Männer darstellt. Selbstredend gefällt mir auch nicht, wenn trans* Männer vom Sport ausgeschlossen werden, weil sie trans* sind. Hier kann ich aber nachvollziehen, dass cis Frauen nicht gegen trans* Männer antreten möchten, schließlich gilt Testosteron als Doping. Bei trans* Frauen verhält es sich jedoch umgekehrt; durch die Umstellung auf Östrogen sind sie cis Männern gegenüber benachteiligt und hier verstehe ich nicht, warum sie nicht mit cis Frauen zusammen antreten dürfen sollten. • Ich finde TERFs kacke, auch Schriftstellerinnen. Ihr wisst vielleicht, wen ich meine.
Und zu Deutschland: • Ich finde es kacke, dass drei Parteien für den Bundestag kandidieren, die sich ins Wahlprogramm geschrieben haben, das SBGG abschaffen zu wollen. • Ich finds kacke, dass es zwei Parteien gibt, die das sogenannte »Gendern« verbieten wollen. • Ich finds schade, dass es nur zwei Parteien gibt, denen bewusst ist, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt – auch wenn ich persönlich mich als eindeutig männlich identifiziere, also binär bin. Wenns nur nach mir ginge, bräuchten wir nur zwei Geschlechter, aber ich bin eben nicht alleine auf der Welt. • Ich finde es kacke, dass es eine Partei gibt, die es ernsthaft begrüßt und straffrei stellen will, wenn Menschen permanent misgendert werden. • Auch wenn ich persönlich nie eine Straftat begangen habe, finde ich es genauso daneben, Straftätern ihr Recht auf korrekte Anrede absprechen zu wollen. • Ich finds kacke, wenn Gelder für LGBTIQ+-Projekte zusammengekürzt oder sogar gestrichen werden.
Bitte entschuldigt die vielen Wortwiederholungen, aber bei Schimpfwörtern bin ich nicht besonders einfallsreich, weil ich sie normalerweise nicht brauche.
Ich blicke in andere Länder mit Sorge
Wenn ich in andere Länder schaue, dann macht mir das Angst, wenn ich sehe, in wie vielen Ländern man mittlerweile bedroht ist, wenn man nicht ins heteronormative Konzept passt.
In 63 Staaten wird Homosexualität noch strafrechtlich verfolgt, in 12 Ländern droht sogar die Todesstrafe für Lesben und Schwule.
Die USA sind für die Weltpolitik nach wie vor sehr prägend. Natürlich hat das einen schlechten Einfluss auf die anderen Länder, wenn dort die Republikaner an der Macht sind. Aber auch in Europa gibt es zunehmend Länder, in denen sich die Rechtslage zuungunsten der queeren Community verändert.
Wie es in Deutschland weitergeht, werden wir nach der nächsten Bundestagswahl erleben. Ich bin hier geboren, ich bin nicht reisefähig, ich bin auf die medizinische Behandlung hier angewiesen. Ich kann nirgendwohin. Aber um mich selbst geht es mir schon lange nicht mehr.
Bitte geht wählen!
Morgen ist ein bundesweiter Aktionstag zum Thema. Ich habe mir eine Begleitperson organisiert, um in Hamburg zusammen mit der queeren Community für unsere Demokratie zu kämpfen. Das wird mich noch mehr Schmerzen und Tage bis Wochen im Bett kosten, eventuell sogar eine bleibende Zustandsverschlechterung, aber das ist es mir wert. Hier ist eine Liste, welche Demos es wo gibt: https://www.waehl-liebe.de/demonstrationen/
Ihr müsst nicht auf die Straße, ihr müsst nur am 23. Februar 25 euer Kreuz richtig setzen, wenn ihr die Demokratie behalten wollt. Wer nicht wählen geht, wählt, seine Freiheit aufzugeben.
Bildhinweis: Das Beitragsbild „Bookies gegen rechts“ stammt von der Webseite https://silbenflug.de/bookiesgegenrechts und steht nicht im direkten Zusammenhang mit der Bundestagswahl.
Nachdem ich ein halbes Jahr meinen ganz persönlichen Lockdown „genossen“ habe, während dem ich viel im Bett lag, war ich gestern mit meinem Rolli zu meiner ersten Ausfahrt unterwegs, die man wirklich unter Freizeit verbuchen kann. Alles andere waren Arzttermine oder Probefahrten im Nahbereich zum Friseur oder ins Einkaufszentrum. Natürlich war ich nach den anderthalb Stunden so erschossen, dass ich mich bis zum Abend hinlegen musste. Aber es hat sich gelohnt, ich bin froh um die Erfahrung.
Neujahr 2024 war ich das letzte Mal am Außenmühlenteich. Ich schwitzte Blut und Wasser, aber ich schaffte es, mit der Gruppe mitzuhalten und einmal um den See herum. Das sind von meiner Wohnung aus 4,5km, die man laut Google zu Fuß innerhalb von einer Stunde und 10 Minuten schaffen sollte. Wir wissen alle, Google berechnet das Tempo sehr sportlich …
Nachdem ich im letzten Jahr rapide abgebaut hatte, vor allem ab Juli, als ich anfing, Sport zu machen, um abzunehmen, schaffe ich derzeit so 200-300 Meter und brauche dafür ne Viertelstunde. Dieses Jahr war nichts mit Neujahrsspaziergang. Aber so gar nicht. Nicht mal im Garten.
Bitte entschuldigen Sie die Verzögerung, meine Planung ist leergelaufen. ^^
Das vergangene Jahr lässt sich knapp zusammenfassen: Bis August liefs spitze, ich gab Gas ohne Ende und schien endlich nen Fuß in die Tür des Buchmarktes zu bekommen. Dann der Zusammenbruch und es ging gar nichts mehr. Wer einen Blick auf die Webseite wirft, siehts schon an den Tickern in der Sidebar: Pflegefall, Warten auf Rollstuhl seit bald 4 Monaten. Gefühlt seit August, was gefühlt ein halbes Jahr her ist, also schon ewig. Habe mal einfach das Norovirus von 2015 als Erkrankungsbeginn von ME/CFS festgelegt. So genau weiß man das nicht, aber da fings an, dass ich körperlich so krass abgebaut hab und ständig erschöpft war. Kognitiv war das schon 2012, also vllt. war der Auslöser auch die Sepsis, die ich nach der Mastek hatte. Ist aber egal, das Kind ist im Brunnen und jetzt hat es endlich einen Namen.
Meine Teilnahme an einer Schreibwettbewerb musste ich zurückziehen, weil ich nicht reisefähig bin und nicht bei der Preisverleihung hätte anwesend sein können, was aber zum Konzept gehörte.
An der Ausschreibung für Literatur zwischen den Jahren konnte ich diesmal nicht teilnehmen, weil ich kaum sprechen konnte.
Und mittlerweile rotiere ich, selbst Pflegekräfte zu finden, die ich komplett selbst bezahle, weils einfach nicht mehr ohne geht.
Erzählte Welten: Texte aus dem Schreib-Forum Herausgeberin: Konstanze Hunold Autor:innen: Ingo S. Anders, Bess, Gisela Brix, Inyara, Sophia Barnewitz, Mythos, Ralf der Rabe, Jessica Schade, Lestade, Yvonne Falk, Saigel, Inge Escher, Edith Meusburger, Frank Makowski, Jaqueline Scherm, Yasmin, Grit Stange, Eliane Kraus, Mika Nahrten, Hari Patz, Michael Stappert, Ylvie Wolf, BirdoTheWeirdo, Sylvia, S. T. Neumann, Luziferito, Konstanze Hunold Benefiz-Anthologie 410 Seiten Druckbuch 17,- Euro E-Book 7,- Euro Erschienen am 03.10.24 Erhältlich ausschließlich bei Amazon.
Klappentext
Wie Sand am Meer gibt es sie nicht, die Internetforen, die sich dem kreativen Schreiben widmen. Vielleicht eher wie Muscheln – nicht ganz so viele, doch sehr unterschiedlich in Form und Größe. Das Schreib-Forum gehört zu den kleinen, doch es ist lebendig durch uns – seine Mitglieder. Einige von uns möchten sich Ihnen vorstellen. Und wie ginge das besser als mit unseren Texten? Die Idee, eine Anthologie zu veröffentlichen, die einen Querschnitt durch das Schreib-Forum zeigt, stieß auf großes Interesse. Viele machten sich sofort an die Arbeit, suchten ihre liebsten Texte zusammen oder schrieben sogar extra neue für dieses Buch. Vom Haiku bis zur Kurzgeschichte – hier lesen Sie die vielen Facetten, die unser Forum zu bieten hat. Wir wünschen Ihnen gute Unterhaltung! Konstanze Hunold a.k.a. Gaia Athanasia
Dieses Buch hat aber auch noch einen weiteren Zweck: Der Gewinn aus dem Verkauf dieser Anthologie wird einer gemeinnützigen Organisation gespendet, und zwar dem Tierschutzverein Nothunde La Mancha e.V. Vereine wie dieser sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen, und wir hoffen, einen kleinen Beitrag leisten zu können.
Zu diesem Buch habe ich vier Geschichten beigetragen, die ohne meine Mitgliedschaft im Schreib-Forum nicht entstanden wären. Ihr kennt sie vielleicht schon. Dennoch gibt es Neues zu entdecken: Ich erzähle über meinen persönlichen Weg zum Schreiben und zum Schreib-Forum und da das Druckbuch von Ylvie Wolf liebevoll illustriert wurde, gibt es auch für mein „Kapitel“ eine wunderschöne Zeichnung. Konstanze Hunold hat mit ihrem Adlerauge das Lektorat/Korrektorat übernommen, Frank Makowski hat im Schweiße seines Angesichts den Buchsatz gemacht und Hari Patz hat sich routiniert um die Veröffentlichung bei Amazon gekümmert. Alle Beitragenden stellen sich im Buch selbst vor, das möchte ich hier nicht vorwegnehmen.
Noch habe ich das Buch nicht gelesen und kenne daher die Geschichten der anderen nicht alle. Wenn ich so weit bin, werde ich eine Rezension verfassen. Wer darauf nicht warten will: Greif zu!