Warum diese Scham?

Warum diese Scham?

Seit einigen Jahren trage ich mich mit dem Gedanken, einige meiner kurzen Geschichten in einer Sammlung herauszugeben, also als eigene Anthologie.

2018 hatte ich alles zusammengestellt und testlesen lassen. Ich bekam die Rückmeldung, man habe gelacht und geweint. Ein schöneres Feedback kann ich mir als Autor doch gar nicht wünschen. Es sind also nicht die Texte an sich, für die ich mich schäme. Die Geschichten sind von guter Qualität. Auch das ist es nicht.

Es handelt sich nicht nur um fiktive Texte, es sind auch autobiografische Erzählungen darunter. Es fühlte sich einfach nicht richtig an, so Persönliches zu veröffentlichen. Außerdem: Wer nimmt schon eine Anthologie? Bevor ich da Klinkenputzen gehe, veröffentliche ich doch lieber im Selfpublishing. Doch ich wollte meine Geschichten zu diesem Zeitpunkt nicht mit der ganzen Welt teilen. Also verschwand das Manuskript wieder in der Schublade.

Letztes Jahr hatte ich den Wunsch, einer Handvoll Leute ein Druckbuch mitbringen zu können. Also fragte ich dezent bei einem Verleger an, den ich kenne. Nein, ich erhielt keine Antwort. ;) Ein weiteres Jahr verstrich.

Jetzt habe ich mitverfolgt, wie eine Kollegin durchgestartet ist, und da merkte ich: Ich will auch.
Ich kontaktierte also eine Lektorin, die ich schon eine Weile kenne und auch mag, und trotzdem: Bereits bei der ersten Geschichte, die ins Probelektorat ging, schämte ich mich, als ich sie abschickte. Einfach nur wegen des Themas, denn es ist eine fiktive Geschichte. Wegen trans*.
Das sollte nicht sein, denn das ist kein Grund, sich zu schämen. Vom Kopf her weiß ich das. Es fühlt sich aber nicht danach an, als ob ich out and proud wäre – von loud ganz zu schweigen. ;)

In dieser Sammlung werden mehrere Themen behandelt; es geht neben trans* um Psychiatrieerfahrungen, aber auch noch um andere, die sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lassen. Und wieder war diese Scham da, wegen dem, was ich erlebte und dabei empfand.
Ich habe auch Angst davor, wie Leser:innen auf mich zugehen könnten, wenn sie das über mich wissen und sonst eben nichts, weil sie mich nicht kennen, aber zu kennen meinen …
So habe ich mehrere Tage mit mir gerungen und mich letztlich dazu entschieden, das Gesamtmanuskript ins Lektorat gegeben. Es wird also in absehbarer Zeit ein Buch von mir geben. Arbeitstitel: Harter Tobak.

Making of: Schwuppenplanschen – Schwimm dich in sein Herz!

Making of: Schwuppenplanschen – Schwimm dich in sein Herz!

Auch das ist nur der Arbeitstitel. Mit diesem Projekt geht es in die Trans*szene, passend zum Pride Month.

Worum geht es in der Geschichte?
Es ist noch kein richtiger Klappentext, zeigt aber schon, wo es hingeht:
In der Dusche des Freibades erlebt Dennis, wie alle mit Fingern auf ihn zeigen und glaubt danach nicht mehr daran, je einen Partner zu finden. Seine beste Freundin Rasheeda redet ihm gut zu und auf dem CSD fällt ihnen ein Flyer des queeren Sportvereins in die Hände, der mit »Schwuppenplanschen« wirbt.
Kann er sich überwinden, auf diesem Weg Kontakte in die schwule Szene zu knüpfen?

Warum schreibe gerade ich diese Geschichte?
Wer seit der ersten Stunde meinem Blog folgt, weiß, dass ich selbst auch Transmann bin. Ich weiß also, wovon ich schreibe, wenn ich über Transmänner schreibe. Es ist wichtig, in der Literatur für mehr Sichtbarkeit zu sorgen. Neben Autobiografien, die sicher auch interessant sind, fehlen mir Romane. Ich will Figuren schaffen, mit denen man sich identifizieren kann und Zeit verbringen möchte.

Geht es diesmal schneller?
Ich hoffe es sehr. Berauscht von meinem letztjährigen NaNoWriMo-Erfolg glaubte ich, es rein rechnerisch schaffen zu können, innerhalb von drei Monaten einen Roman zu schreiben und das bequem. Tja. Die Zeit habe ich damit verbracht, einen halbwegs brauchbaren Plot auf die Beine zu stellen, Probeleser zu suchen, Recherchequellen aufzutun und mich mit den Figuren vertraut zu machen.
Spontan habe ich für einen Wettbewerb ein Exposé für diese Geschichte geschrieben und eingereicht und versucht, mir damit Zeitdruck zu machen. Das hat leider nicht so gut geklappt und ich habe es doch sehr schleifen lassen. Meine tägliche Schreibroutine, die ich nach der SGZ-Aktion für meinen Roman gleich übernehmen wollte, war schnell dahin.
Instagram kostet auch Zeit. Wenn ich nicht schreibe, ist fehlende Zeit jedoch nicht das Problem, wenn ich ehrlich bin. Die Geschichte fühlt sich noch nicht reif an, auch wenn die Zeit reif wäre …

Making of: Der Genesungsbegleiter – Ver-rückt vor Liebe

Making of: Der Genesungsbegleiter – Ver-rückt vor Liebe

Ich habe euch schon erzählt, dass ich derzeit an zwei Romanprojekten arbeite. Den Anfang macht mein Erstling, an dem ich schon seit drei Jahren schreibe. Es geht in die Psychiatrie.

Worum geht es in der Geschichte?
Durch den Verlust ihres Vaters wird Lena depressiv. In der »Klinik am Baum« lernt Lena den bipolaren Genesungsbegleiter Mark kennen. Zwischen ihnen knistert es und sie kommen sich auf der Bank an der alten Eiche näher als sie sollten …

Warum schreibe gerade ich diese Geschichte?
Ich bin selbst EX-IN-zertifizierter Genesungsbegleiter. Das bedeutet, ich habe während meiner Ausbildung selbst zwei Praktika gemacht, ein Schnupperpraktikum und ein sogenanntes Vertiefungspraktikum.

Warum brauche ich so lange?
Es ist tatsächlich so, dass ich die erste Hälfte der Geschichte während zweieinhalb Jahren geschrieben habe. Darin enthalten war ein Dreivierteljahr, in dem ich gar nicht geschrieben habe. Ich brauchte einfach etwas Abstand von der ganzen Schreiberei. Während dieser Zeit habe ich all das neue Wissen zum Schreibhandwerk verdaut. Dann habe ich während des NaNoWriMo 2020 nur drei Wochen gebraucht, um die zweite Hälfte runterzuschreiben. Die war dann schon völlig ausgereift in meinem Kopf, wartete nur darauf, erzählt zu werden, und sprudelte nur so heraus!
Damit war dann die Rohfassung endlich fertig. Jetzt muss ich das ganze noch »richtig« überarbeiten, deshalb ruht der Text. Und weil ich auch das Überarbeiten noch erlerne, wird sicher noch einiges Wasser Elbe und Rhein herunterfließen …

Mit Abstand in die Überarbeitung
Ich freue mich schon, Mark und Lena wiederzubegegnen, wenn ich die Augen eines Lesers habe und mich freue, was ich da Tolles geschrieben habe und darüber stöhne, was ich noch alles verbessern muss. ;)

Lena und Mark unter der alten Eiche.

Das Bild hat Tobias Stein mir gezeichnet, weil ich ihn bei seinem Comicbuch unterstütze, indem ich ab und an auf seine Texte schaue. Ist das nicht toll?

Aber keine Sorge: Das wird nicht das Cover! Es macht mir nur die Figuren greifbarer und hilft mir, dranzubleiben. :)

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