SGZ 46 SCHEIN

SGZ 46 SCHEIN

Tagsüber war die Hitze unerträglich gewesen. Jetzt war es angenehm auf der Veranda. Während sie saß, hielt der Spanier sich im Hintergrund stehend bereit und beobachtete das Gelände.
»Sehen Sie nur, Miss Sandra.« Er wies in Richtung der Bucht. Ein Farbenspiel von tiefrot über orange bis golden zog sich über den teilweise noch blauen Abendhimmel, vor dem sich die Silhouette der Dame mit Hut abhob.
»Oh, was für ein fabelhafter Sonnenuntergang! Was würde ich nur ohne Sie tun, Tonto.«
Dazu schwieg der Butler, den sie gerade einen Armleuchter genannt hatte. Ganz so gering war sein Stand nun doch wieder nicht. Doch er war dies mittlerweile von ihr gewohnt. Sie schien nicht zu wissen, dass es sich nicht um einen Kosenamen oder eine angemessene Berufsbezeichnung handelte, und er hatte bisher nicht den Mut gefunden, sie darauf hinzuweisen, dass sein Name Rodrigo lautete und er gerne so angesprochen werden wollte.
»Möchten Sie noch einen Tee, Miss Sandra?«
Sie wand den Blick von der Bucht ab und schenkte ihm ein Lächeln. »Aber gern, Tonto.«
Er nickte, trug stumm das Tablett mit der benutzten Tasse fort. Beim Betreten des Hauses schlug ihm die angestaute Hitze entgegen. Hoffentlich geschah ihr nichts, während er fort war. So engstirnig wie sie war keine seiner früheren Dienstherrinen. Von diesem Urlaub hatte er so dringlich wie noch nie jemandem abgeraten, doch schließlich hatte er nachgeben müssen. Um keinen Verdacht zu erregen, musste er daher die Rolle ihres Butlers annehmen. Nur so war zu erklären, dass er ihr auf Schritt und Tritt folgte.
Die Minuten, bis das Wasser kochte, waren kaum auszuhalten. So schnell es ging, begab er sich mit dem frisch aufgebrühten Tee nach draußen. Von Miss Sandra keine Spur.
Er stellte das Teetablett sorgfältig auf dem Tisch ab, schloss einen Moment die Augen, sandte ein Stoßgebet zum Himmel und verwandelte sich vom Butler in den Soldaten, als der er angeheuert worden war, um Miss Sandra mit seinem Leben zu verteidigen.
Wenn jemand sie entführen wollte, dann konnte sein Weg von hier aus nur übers Wasser führen. Also rannte Rodrigo zum Bootshaus.
»Hilfe!«, hörte er Miss Sandra rufen, »Hilfe! Hier bin ich!«
Um seine Stellung nicht zu verraten, antworte er nicht.

Wörter: 363

Leider war die Zeit zu Ende. Mal sehen, vielleicht schreibe ich morgen eine Fortsetzung.

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