SGZ 11 UMZUG

SGZ 11 UMZUG

Sie musste hier weg. So lange schon. All das hier wollte sie hinter sich lassen, wusste nur bislang nicht, wohin. Doch jetzt mit dieser Stelle als Grafikerin in München sah sie endlich Licht am Ende des Tunnels. Schluss mit den Drogen, weg aus der Szene. Den Entzug hatte sie bereits hinter sich. Sie wollte ein neues Leben, sie wollte es so sehr.
»He, Vorsicht mit der Staffelei!«
Es war seltsam, einfach alles dick in Folie eingewickelt zu sehen. Was nicht in Kartons passte, war eingewickelt worden. Sogar die Kommode aus dem Flur, mitsamt ihrem Inhalt. Genau so würde sie in der neuen Wohnung wieder im Flur stehen, nur ohne die Folie dann.
Niemand kannte sie da unten, sie war ein unbeschriebenes Blatt. Hier oben war sie Steffi, die Schlampe, die für einen Schuss die Beine breitmachte. Dort unten würde sie die kreative Steffi sein, die als Quereinsteigerin ihr Geld mit ihrem Hobby verdiente. Wenn sie nur auf Leinwand malen würde, hätte das freilich nicht so einfach geklappt. Aber sie war mit der gängigen Software vertraut und so hatte sie sich bei einer Spieleschmiede durchsetzen können. Endlich! Sie brannte darauf, ihre ersten Entwürfe vorlegen zu dürfen.
Mit angehaltenem Atem verfolgte sie, wie ihre Computermonitore in den Lkw geladen wurden. Wenn die beschädigt würden, müsste sie lange sparen. Davon abgesehen hing sie nur noch an einigen Daten auf der Festplatte, der Rest war belanglos geworden und jederzeit austauschbar.
Sie warf einen letzten Blick auf ihren Ficus in einem offenen Karton in der obersten Reihe, dann schlossen sich die Türen.
Tschüss, Hamburg! Du warst mir keine Perle.

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